Mehrkanalsound ist für Kino-Fans das Größte. Musikliebhaber scheuen hingegen Surround-Systeme, denn sie klingen oft eher technisch. Ob es auch anders geht? Wir haben das Heimkino Surround-Lautsprecher-Set von Focal ins Testlabor geholt und wurden überrascht. 

Ganz ehrlich: Surround-Systeme sind bei uns Audio-Testern nicht so beliebt. Meist machen sie in musikalischer Hinsicht nur wenig Freude und ihr Test ist aufwendig. Das beginnt schon beim Aufbau der Komponenten. Das sind im Fall des Focal Heimkino-Systems Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 drei Satelliten, „Sib Evo“ genannt, zwei Lautsprecher mit Namen „Sib Evo Dolby Atmos“ und ein Subwoofer, der „Cub Evo“ heißt. Wobei wirklich aufregend am Set nur die Sib Evo Dolby Atmos sind, denn sie besitzen neben den Frontlautsprechern auch Lautsprecher auf der Oberseite, die den Klang an die Decke werfen. Was das bringen soll und wirklich bringt, verraten wir später. Was wir aber jetzt schon verraten können: der Aufbau geht schnell.

Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2: Aufbau des Systems

Da alle Lautsprecher über einen ansprechenden Standfuß verfügen, platzieren wir sie einfach auf unsere zahlreich vorhandenen Lautsprecher-Ständer. Natürlich ist auch – ausgenommen der Subwoofer – eine Wandmontage möglich. Besonders gelungen sind dabei die Anschlüsse für die Verkabelung. Einfach den Knopf auf der Rückseite der Lautsprecherbox drücken und die abisolierten Kabel-Enden hineinstecken. Nur wer besonders dicke Lautsprecherkabel nutzen will, bekommt hier Schwierigkeiten, da diese nicht stärker als 2 Millimeter sein dürfen. Allerdings benötigen Satelliten-Speaker keine riesigen Durchmesser, um gut zu klingen.

Der Subwoofer wird hingegen ganz simpel per Cinch mit dem AV-Receiver verbunden. Als Signalgeber für die Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 benutzen wir übrigens den Denon AVR-X2600H. Sein Test ist ebenfalls im Heft ab Seite 64 zu finden. Wir haben also das Heimkino-Set schneller aufgebaut als erwartet, was uns wirklich freut. Jetzt sind wir gespannt, ob uns beim Test auch die Klangqualitäten überraschen. Doch wenden wir uns vorher den einzelnen Komponenten zu.

Komponenten des Systems

Da haben wir zunächst drei Satelliten. Einer dient im Heimkino als Center-Lautsprecher und die beiden anderen als Surroundboxen. Alle drei verwöhnen unsere Ohren mit Frequenzen zwischen 70 Hz und 25 kHz. Das ist für die Zwei-Wege-Lautsprecher ein wirklich guter Frequenzgang. Natürlich klingen sie im Zusammenspiel mit dem Subwoofer saftiger, aber wir haben sie auch ohne den Cub Evo angehört und waren von ihrem beherzten Auftritt unheimlich angetan.

Focal Cub Evo Subwoofer

Der Subwoofer arbeitet als Downfire und ist mit einer 200 Watt starken Class-D-Endstufe ausgestattet. Sein 21 Zentimeter messender Tieftöner arbeitet im Bereich von 35 Hz bis 150 Hz. Auf seiner Rückseite lassen sich Lautstärke und die Crossover-Frequenz einstellen. Die gummierten Füße entkoppeln ihn zudem zuverlässig vom Fußboden. Ein nettes Feature ist der „Auto-Power“-Schalter auf der Rückseite. Er deaktiviert den Subwoofer, wenn längere Zeit kein Signal anliegt. Ein händisches Ausschalten ist also unnötig.

Klanglich wirkt der Cub Evo beim ersten Hinhören etwas verloren in unserem etwa 30 Quadratmeter großen Testwohnzimmer. Doch drehen wir einfach den Volume-Regler voll auf und spielen ein wenig an der Crossover-Frequenz herum, haben wir einen satten Bass.

Cub Evo - Subwoofer
Die Rückseite des Subs mit ihren Einstellmöglichkeiten. Praktisch ist die Automatikfunktion für die Stromversorgung, so schaltet sich der Verstärker bei Nichtnutzung automatisch ab

Focal Sib Evo Dolby Atmos Kompakt-Lautsprecher

Highlight des Heimkino-Sets sind natürlich die zwei Sib Evo Dolby Atmos. Die sind größer als die anderen Satelliten und arbeiten im Zwei-Wege-System, das einen Frequenzgang von 65 Hz bis 25 kHz ausgibt. Sie klingen also etwas voluminöser als die Geschwister und können durchaus als reines Stereopaar fungieren.

Aber wirklich interessant werden sie durch die 10 Zentimeter großen Speaker auf der Oberseite. Die arbeiten im Bereich von 90 Hz bis 20 kHz und schleudern ihre Töne an die Decke von wo sie auf uns reflektiert werden. Das machen sie derart geschickt, dass wir wirklich das Gefühl haben, der Sound dort auf dem Bildschirm würde von oben kommen. So fliegt ein Hubschrauber direkt über uns hinweg und die Glocken einer Kirche läuten in der Höhe – jedenfalls rein akustisch.

Der Klangobjektbauer

Dolby Atmos bedeutet für die meisten Menschen, dass der Sound nun auch von der Decke kommt. Das ist etwas ungenau, denn die Surround-Technik ist eine Universalwaffe. Sie nutzt statt festgelegter Kanäle für den Klang vor, neben oder hinter dem Hörer nun Klangobjekte. Die lassen sich frei im Hörraum positionieren. So kann das Bild auf der Leinwand oder dem Monitor exakt an das Klangerlebnis angepasst werden. Das ist ein Unterschied zum bekannten Auro 3D, welches auf sogenannte Layer setzt und eigene Kanäle für den Sound von oben verwendet.

Besonders eindrucksvoll ist Dolby Atmos bei einer Anwendung, an die der HiFi-Freund wohl weniger denkt: bei Computer- und Videospielen. So lässt sich einer Baumkrone ein Vogelzwitschern als Klangobjekt zuordnen. Steht die eigene Spielfigur unter dem Baum, kommt das Zwitschern von oben. Geht die Figur vom Baum weg, trällert der Vogel von hinten. Befindet sie sich rechts vom Baum, zwitschert es links oben und so weiter.

Auf die Art lassen sich lebensecht wirkende Klangkulissen erschaffen und genau für deren Wiedergabe sind die Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 ausgelegt. Doch keine Angst, wer lieber Klänge in Auro 3D hört, der ist mit den Focal Heimkino-Set ebenfalls richtig beraten. Es gibt ohne Probleme die „Stimme Gottes“ – also den Sound von oben wieder.

Video-Kurztest vom Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Heimkinosystem

Seriensound

Nach dem kleinen Ausflug in die Theorie stürzen wir uns in die Praxis und schauen zuerst in die Netflix-Serie „Another Life“. Die ist in Dolby Atmos abgemischt und das merken wir gleich in der ersten Szene. Eine Influencerin will zu ihren Followern sprechen. Wir hören die Vögel vor den Fenstern zwitschern und den Wind durch die Baumkronen rauschen. Ein Raumschiff kracht auf die Erde, Steinbrocken und Dreck fliegen uns um die Ohren, der Titel erscheint und wenig später hören wir in der Ferne ein Auto und der Vater betritt das Haus. Die Tür wird hinter uns geöffnet, Schritte schallen hinter uns durchs Haus und ihr Echo kommt von über uns. Das ist wirklich klasse. Alles wirkt dadurch dreidimensionaler, obwohl wir ein ganz normales zweidimensionales Bild auf dem TV sehen. Das machen die Focals richtig, richtig gut.

Auf ins Kino

Doch springen wir zu zwei Kino-Filmen, um zu schauen, ob sich hier die Lautsprecherboxen genauso gut schlagen. Immerhin heißt es ja Heimkino-Set und nicht Netflix-Set.

Bei „Ready Player One“ geht es richtig zur Sache. Die Soundeffekte knallen uns nur so um die Ohren – kommen von oben, hinten, der Seite, irgendwie von überall her – und zu keinem Zeitpunkt reißt der Sound bei einem Lautsprecher ab und setzt bei einem anderen wieder ein. Nein, alles läuft wunderbar flüssig. Da macht es plötzlich Spaß, den abgesehen von der Kern-Story eher mittelmäßigen Spielberg-Film anzusehen.

Englein hören

Wie geschrieben, sind Surround-Sets musikalisch meist weniger attraktiv, da sie einfach zu technisch klingen. Doch wir lassen uns gern eines Besseren belehren, was ja einigen Vertretern dieser Art schon gelang. Deshalb greifen wir jetzt auf unseren Musikserver zu und gehen gleich in die Vollen.

Wir hören Schönbergs „Violinkonzert op. 36“ mit Hilary Hahn und dem schwedischen Radio Sinfonieorchester an. Das ist nichts für Zwischendurch, darauf muss sich eingelassen werden. Wir tun es und werden dafür belohnt. Die erste Geige steht nämlich direkt vor uns und das Orchester positioniert sich dahinter. Je nach Surround-Modus, den wir am Receiver einstellen, können wir alle Schallquellen mal mehr oder etwas weniger gut orten, aber dieses Mittendringefühl bleibt bestehen. Wir werden von der Musik umspült und das macht richtig Spaß.

Auch bei weniger anspruchsvollen Musiktiteln wie „Everbody Loves A Happy Ending“ von Tears for Fears verorten wir uns in der Mitte der Musik. Das ist richtig toll. Besonders gefällt uns dabei, wie weich und musikalisch die Focals hier zur Sache gehen. Kalter, grauer Sound? Nein! Den erleben wir hier nicht. Wir hören richtig gut klingende Lautsprecher mit echter Musikalität, auch wenn sie im reinen Stereomodus einen Tick mehr Auflösung und Ortbarkeit vertragen könnten. Aber es kaufen ja nur die wenigsten ein Surround-Setup, um darüber Stereo zu hören.

Im Surround-Modus sind die Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 wirklich stark und bringen uns Filmton – und zu unserer Überraschung – auch Musik wirklich lebensecht zu Gehör.

Webseite: www.focal.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 6/2019.

Test: Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Heimkino-Lautsprecher - Höret die Englein singen
Wer nicht nur Hubschrauber und Raumschiffe über sich hinweg donnern lassen will, sondern auch gern Engelsgesang von oben hören möchte, der ist mit den Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 von Focal bestens beraten. Zwar erscheint der Subwoofer in der Grundeinstellung ein wenig schwach, aber das lässt sich mit einem beherzten Dreh am Volume-Regler ausgleichen. Heimkino-Sound und Musikgenuss verbindet dieses Set so gekonnt, wie kaum ein anderes.
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis/Leistungsverhältnis100%
Vorteile
  • weicher Sound
  • realistischer Klang von oben
  • wirklich musikalisch
Nachteile
  • etwas schwacher Subwoofer
  • im reinen Stereomodus leicht unscharf
88%Gesamtergebnis
Leserwertung: (1 Judge)
94%

Bildquellen:

  • Focal Cub Evo: Auerbach Verlag
  • Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2: Auerbach Verlag