Dual steht seit einem knappen Jahrhundert für handfeste Phono-Systeme, welche für den schmalen Taler Musikalität und Langlebigkeit ins HiFi-Arrangement bringen. Ob der neue Dual CS 800 Plattenspieler die hier aufkeimenden Erwartungen erfüllen kann finden wir im Test für Sie heraus.

Schweres Phono Erbe?

Als die Gebrüder Steidinger im Jahre 1900 mit der Fertigung von Teilen für Federlaufwerke begannen, ließen sie sich wohl kaum träumen, dass ihr Werk einmal HiFi-Geschichte schreiben würde. Zwar gingen 1920 bereits über 1.500 komplette Laufwerke vom Band – und das täglich – der Name Dual war jedoch noch weit vom heutigen Kultstatus des Unternehmens entfernt. Zurückzuführen ist der Firmenname übrigens auf den so genannten „Dual-Motor“, einer Kombination aus Elektro- und Federlaufwerk. Die Zahl der Antriebe, welche monatlich das Werk verließen überschritt schon bald die Zehntausendermarke, sodass sich Dual fortan auch der Herstellung kompletter Grammophonlaufwerke widmet. Eines der frühen Erzeugnisse erhält auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1937 sogar eine Auszeichnung. Nach Ende des zweiten Weltkriegs führt Dual seine wegweisende Produktentwicklung weiter fort und veröffentlicht mit dem Modell 1000 den ersten Dual-Plattenwechseler. Die Zahlen sprechen weiterhin für sich: So produziert das Unternehmen um 1950 herum bereits satte 200.000 Laufwerke im Jahr. Während das Unternehmen in den 1970er Jahren mit Aufkommen der Stereofonie noch seine größten Gewinne erzielte, kommt es 1982 zum überraschenden Konkurs der Firma und es folgt eine Übernahme durch die französische Firma Thomson.

In Folge dessen durchläuft das nunmehr arg geschrumpfte Unternehmen verschiedene Stationen, bis die Sintron Vertriebs GmbH schließlich die Vertriebs- und Nutzungsrechte von der Karstadt AG übernahm. Noch heute ist Sintron mit dem Vertrieb von Dual vertraut. Der Hersteller, welcher mittlerweile in St. Georgen im Schwarzwald residiert, befindet sich somit neben Vincent, Dynavox und vielen anderen in bester Gesellschaft im Vertriebsportfolio von Sintron. Von der wirtschaftlich schwierigen Phase hat sich Dual mittlerweile vollends erholt, sodass man mittlerweile regelmäßig neue Produkte von dem Hersteller aus St. Georgen rechnen kann.

Gute Bekannte

Das erste Gerät, welches wir aus dem Hause Dual zum Test zur Verfügung gestellt bekamen, war der Plattendreher CS 600 (Anm.: in AUDIO TEST Ausgabe 04/16 – lesen Sie hier unseren Testbericht). Das Laufwerk markierte mit einem Testergebnis von sehr guten 87 Prozent einen gelungenen Einstieg in unser Testgeschehen. Insgesamt hatten wir in den vergangenen vier Jahren fünf Geräte der St. Georger zu Gast. Mit einer einem durchschnittlichen Testergebnis von 85 % bei einem preislichen Mittelwert von 929 Euro erwies sich das Unternehmen bisher als gute Adresse für einen handfesten Einstieg in die Phonowelt. Tatsächlich verfolgt Dual im Großen und Ganzen ein Geschäftsmodell mit einem ökonomisch niedrigschwelligen Zugang.

Test: Dual CS 800 Plattenspieler  Ortofon 2M Red Tonabnehmer Tonarm
Werksmäßig ist der Dual CS 800 mit einem Ortofon 2M Red ausgestattet. Den Kröpfungswinkel kann man mit einem kleinen Schraubendreher ohne Weiteres nachjustieren.

Dual CS 800 Plattenspieler

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von knapp 1.169 Euro ist Duals neuer Plattenspieler CS 800 eher im oberen Spektrum des Produktkatalogs zu verorten. Unser Testlabor erreicht ein Modell in zeitlosem Mattschwarz, welchem der Hersteller alternativ eine Ausführung aus gebürstetem Aluminium gegenüberstellt. In Dual-Manier ist der Dreher bereits nahezu gebrauchsfertig montiert und ohne großartige Bastelei einsatzbereit. Auf drei Gehäusefüßen ruht die massive MDF-Konsole, deren gesamte Oberfläche mit einer Aussparung versehen ist, in der das entkoppelte Subchassis seinerseits auf Parabelfedern schwimmend gelagert ist. Der CS 800 arbeitet wie eigentlich alle Geräte der St. Georger mit Riemenantrieb, wobei der Antrieb allerdings unter dem massiven Plattenteller verborgen liegt. Mit dieser Konstruktion in Verbindung mit den gepufferten Aluminiumfüßen und der kardanischen Tonarmlagerung verspricht der Hersteller eine problemlose Aufstellung des Geräts ohne größere Feinjustage zur Nivellierung des Laufwerks.

TEST: Dual CS 800 Plattenspieler Anschlüss Rear Back
An der Rückseite des windschnittigen Gehäuses finden wir das Anschlussterminal des Plattenspielers, welche sehr robust und auf Langlebigkeit konzipiert ist. Der Staubschutzdeckel kann übrigens abgenommen werde.

Die Tonarmbasis ist mit einer masselosen Auflagekrafteinstellung in Form einer hochpräzisen Torsionfeder ausgestattet. Der verwindungssteife Tonkopf ist aus Kohlefaser gefertigt und mit einer 1/2-Zoll-Systembefestigung versehen. Zwei verarbeitungtechnische Kritikpunkte, welche uns störend ins Auge fallen, wollen wir Ihnen jedoch nicht vorenthalten. Zum einen ist da die fehlende Höhenverstellbarkeit der Tonarmbasis. Dies ist schade, da wir somit nicht auf stärkere Plattentellerauflagen zurückgreifen können, ohne dass der Tonarm aus der Waage gerät. Des Zweiten ist da der Tonarmlift, welcher uns nicht überzeugen kann. Denn die altbekannte Mechanik, bei welcher über einen Hebel ein Bügel gehoben wird, auf dem der Tonarm aufliegt, stockt regelmäßig beim Senkvorgang, sodass bei etwa jeder dritten Betätigung der Bügel von Hand wieder niedergedrückt werden muss. Zwar lässt sich die Höhe des Lifts anhand einer kleinen Madenschraube feinjustieren. Jedoch ist diese sehr ungünstig positioniert, was das Einstellen erschwert. Und das Problem behebt es auch nicht. Das hat zur Folge, dass wir schon bald auf die Verwendung des Lifts verzichten und die Nadel ausschließlich händisch auf die Platte bringen. Hierbei handelt es sich übrigens von Haus aus um eine Ortofon 2M Red, welche mit einem Kröpfungswinkel von 26° am gerade Tonarmrohr montiert ist. Die Bauform des Tonarms, welche auf integriertes Antiskating verzichtet, ist somit auf das in die Tonarmbasis integrierte mechanische Antiskating angewiesen, welches auch sehr zufriedenstellende Arbeit leistet.

TEST: Dual CS 800 Tonarm
Die Tonarmbasis ist zwar von guter Verarbeitungsqualität, lässt sich allerdings leider nicht in ihrer Höhe verstellen, sodass keine dickeren Auflagematten für den CS 800 infrage kommen

Auch die Leistung des Antriebs ist durchaus lobenswert. Mit ungefähr +0,39 % mittlerwer Abweichung von der Solldrehzahl beweist das Laufwerk eine zuverlässige Laufruhe. Während uns die erwähnten kleinen Mankos der Tonarmbasis etwas überraschten, entsprechen die Messwerte des Antriebs schon eher der Qualität, welche wir von Dual kennen.

Insgesamt weiß der Dual CS 800 daher nicht nur ob seines modernen Designs, sondern auch durch seine insgesamt doch überzeugende Verarbeitung die genannten Kritikpunkte aufzuwiegen.

Dual CS 800 im Praxistest: Der Entertainer

Für den Praxistest koppeln wir den Dual CS 800 mit der Phonovorstufe Phono Box DS2 von Pro-Ject (lesen Sie hier unseren Test) und dem Smart Connect, sowie zwei Smart A 45 Standlautsprechern von Canton. Der große Vorzug des Vorverstärkers ist, dass uns durch die diversen Einstellungsmöglichkeiten, wie Impedanz, Kapazität und Ausgangspegel an die klanglich beste Konfiguration in Bezug auf den Zuspieler herantasten können. Die deutlich klarste und dynamischste Performance gibt die Kette bei 47 Kiloohm, 100 Picofarad Ladung und einer Ausgangsleistung von 50 Dezibel sowie eingeschaltetem Subsonic-Filter zum Besten.

Dies erproben wir namentlich am 1998 erschienen Deübtalbum „Moon Safari“ der französischen Band Air, welche sich mit der Platte umgehend als Kultband zu etablieren wusste. Spätestens beim dritten Song „All I Need“, dem berühmte Trip Hop-Exkurs mit Beth Hirsch, sind wir voll und ganz in den Bann geschlagen. Der Sound des CS 800 ist druckvoll zur gleichen Zeit überaus spritzig. Insgesamt kommt der Dreher mit einer sehr feinfühligen Veranlagung daher und weiß auch feine Details sehr genau zu reproduzieren. Stets gibt sich das Laufwerk in ruhigen Passagen geschmackvoll und aufmerksam, während es jedoch in energiegeladenen Momenten auch mal regelrecht aufbrausend daherkommen kann. Dabei behält die Performance in jeder Gemütslage ein luftiges und präzise ausgestaltetes Stereobild. Wir hören zum Vergleich noch einmal gesammelte Werke von Ennio Morricone. Hier kam bei unserer letzten Begegnung mit Dual der damalige Testkandidat CS 458 etwas bräsig daher. Der CS 800 wiederholt diesen Eindruck nicht und gibt sich deutlich schwungvoller. Zwar merkt man auch hier, dass sich der Dual CS 800 vor allem in Puncto Dynamik bei komprimierteren Platten deutlich wohler fühlt, jedoch ist seine Performance dennoch sehr zufriedenstellend.

Test: Dual CS 800 Plattenspieler mit Ortofon 2M Red Tonabnehmer
Kurz, zwei mal kurz, lang – Morsesignale dienen dem Plattenspieler zur Befehlsgebung. So lässt sich elegant zwischen den beiden Drehgeschwindigkeiten umschalten.

Spürbar selbstbewusster geht der Plattendreher dann doch bei „poppigeren“ Masters zu Werke. Beispielsweise Norah Jones, deren Album „Come Away With Me“ mittlerweile zu unserem Standard-Repertoire bei Vinyltests gehört, stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Die sehr nuancenreich gearbeitete Produktion von 2002 lebt von feinen Texturen wie mit Besen gespielten Drums, Gitarren und vor allem Jones Stimme, deren hoher Hauchanteil sie schlicht unverkennbar macht. Die große Schwierigkeit bei dieser Platte liegt in der gut getimten und feinfühligen Übersetzung von Transienten. Hier muss sich eine Kette ihren Teamspirit unter Beweis stellen. Jedoch steht und fällt hier die Darbietung mit der schnellen und präzisen Abtastung des Signals. Und in diesen Belangen muss sich der Dual CS 800 nichts vorwerfen lassen. Den Plattenspieler zeichnet vor allem in seiner Kollaboration mit Ortofons 2M Red eine tolle Impulstreue und ein reaktionsschnelles Auftreten aus.

Solide Performance

Auch wenn wir nicht umhin konnten, zwei bauliche Beanstandungen zu machen, müssen wir schlussendlich festhalten, dass Dual mit dem CS 800 einen sehr kompetenten und preiswerten Plattenspieler präsentiert. Die für Dual typische zurückhaltende Formensprache des Laufwerks und vor allem seine gute Musikalität lassen uns diesen Spieler mit gutem Gewissen den bisherigen Testmustern von Dual beiordnen. Klar reißt der Dual CS 800 Plattenspieler keine Bäume aus, jedoch ist das in diesem Preissegment auch nicht unbedingt zu erwarten. Vielmehr erfüllt der Hersteller hier genau die Erwartungen eines fähigen und solide verarbeiteten Schallplattenspielers, welche wir vor dem Test an ihn stellten. Wenn sich Dual unsere Hinweise zu Herzen nimmt, steht uns mit einem eventuellen Nachfolger dieses Testmusters ein durchaus überdurchschnittlicher Schallplattenspieler ins Haus.

Preis und Verfügbarkeit

Den Dual CS 800 Schallplattenspieler gibt es im autorisierten Fachhandel zum Preis von 1.169 Euro (UVP) zu kaufen.

Weitere Informationen: www.sintron.de

Anmerkung: Dieser Text erschien erstmals in Ausgabe 08/2020 der AUDIO TEST.

► Lesen Sie hier: Test vom Dual CS 458 Plattenspieler – Der Türöffner für Einsteiger

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Test: Dual CS 800 Plattenspieler mit Ortofon 2M Red Tonabnehmer
Mit dem neuen Dual CS 800 stellen die Tüftler von Dual einmal mehr ihre Fertigkeiten unter Beweis. Der Plattenspieler ist mit Blick auf Langlebigkeit konstruiert und neben seiner ansehnlichen Erscheinung auch überaus musikalisch. Allerdings weißt der manuell zu bedienende mechanische Tonarmlift bauliches Verbesserungspotenzial auf. Jedoch wirkt sich dies nicht auf die kraftvolle und differenzierte Performance des Plattenspielers aus.
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/Verarbeitung70%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-Leistungsverhältnis100%
Vorteile
  • ausgewogener Klang
Nachteile
  • Tonarmbasis nicht höhenverstellbar
  • fehlerhafter Tonarmlift
85%Gesamtergebnis
Leserwertung: (1 Judge)
100%

Bildquellen:

  • TEST: Dual CS 800: Auerbach Verlag
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  • TEST: Dual CS 800: Auerbach Verlag
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