Test: Denon PMA-1700NE – Vollverstärker mit USB-DAC & Phono

Analogexperte mit digitalen Features? Oder Digitalverstärker mit analoger Kompromissbereitschaft? Weder noch dachte sich Denon beim Vollverstärker PMA-1700NE, der auf beiden Hochzeiten die anderen Gäste an die Wand tanzt.

Shapeshifter

Wer im vergangenen Jahr die alte Handelsdruckerei in Leipzig aufgesucht hat, durfte im Rahmen der Mitteldeutschen HiFi-Tage 2022 einem wahren Klangspektakel beiwohnen. Weit über 100 Hersteller präsentierten ihre Neuheiten und Verkaufsschlager einem großen und vor allem hörgierigen Publikum. Über alle Geräteklassen, Preiskategorien und Bekanntheitsgrade hinweg konnten die Messegäste zwei Tage lang ihren audiophilen Bedürfnissen frönen.

Im Raum „Dresden“ im vierten Obergeschoss der alten Handelsdruckerei empfing Denon über das Wochenende zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Mit im Gepäck hatte das seit nunmehr über einhundert Jahre erfolgreich wirkende Traditionsunternehmen so allerhand Neuheiten wie etwa diverse Modelle der Denon Home Kollektion. Aber natürlich auch feinste Vollverstärker der japanischen Marke konnten fleißig bestaunt werden.

Wir von der AUDIO TEST und Likehifi.de hatten glücklicherweise schon ganze 45-mal das Vergnügen, uns ausgiebig mit Produkten dieses Herstellers zu befassen und sind daher natürlich wohl vertraut mit Formensprache und Produktphilosophie. Genau vor einem Jahr hatten wir den aktuellen Plattenspieler á la Denon bei uns zu Gast, nachdem der Vollverstärker PMA-A110 mit 95% Gesamtwertung die Bestmarke knackte. Der Plattendreher DP-450USB konnte mit einem ausgezeichneten Testergebnis von 91 % auf ganzer Linie überzeugen ( hier geht’s zum Test).

Für die aktuelle Ausgabe von AUDIO TEST kehren wir jedoch zurück zur Kernkompetenz des in Kawasaki, Japan ansässigen Traditionsunternehmens: Stereoverstärker. Schließlich widmet sich diese Ausgabe fast gänzlich diesem Thema, weshalb Denon hier freilich nicht fehlen darf.

Denon PMA-1700NE Verstärker Rückseite
Die Anschlüsse des PMA-1700NE sind wie gewohnt von allerhöchster Güte. Hier wackelt nichts, die vergoldeteten Buchsen dürften auch in einer Welt nach unserer Zeit noch einwandfrei funktionieren

Denon PMA-1700NE

Mit dem 1.799 Euro schweren Stereovollverstärker PMA-1700NE präsentiert Denon einen handfesten Analog-Boliden, der gleichzeitig mit umfangreichen Digitalkompetenzen bestückt und somit den zeitgenössischen Ansprüchen durchaus gewachsen ist. Aber der Reihe nach.

Dass wir mit dem PMA-1700NE einen wirklichen Premium-Verstärker in Händen halten, wird uns in dem Moment klar, als wir den 17,6 Kilogramm (kg) schweren Boliden aus der Verpackung hieven. Ohne Schnörkel in zeitlos elegantem Chic ausgestaltet, ist der Denon PMA-1700NE mit einer gebürsteten Aluminiumfront verkleidet, in welche lediglich haptisch toll ausgeführte Bedienelemente sowie ein zurückhaltendes LCD-Display und eine 6,3 mm-Klinkenbuchse als Ausgang des Kopfhörerverstärkers eingelassen sind.

In einem robusten und zudem auf vibrationshemmenden Füßen montierten Korpus hat Denon in streng symmetrischer Schaltungstopologie einen insgesamt 280 Watt starken Vollverstärker untergebracht, der mit so allerhand hauseigenen Konstruktionsschmankerln aufzuwarten weiß. So zählt der PMA-1700NE auf eine brandneue Schaltungstechnik namens Advanced Ultra-High Current MOS Single-Push-Pull-Schaltung.

Durchaus nicht gerade der griffigste Titel, aber dafür beschert diese Technologie dem Verstärker eine energieeffiziente Performance bei einer Ausgangsleistung von bis zu 140 W pro Kanal. Und dass bei einer sehr hohen Flexibilität in Bezug auf angesprochene Lautsprecher und deren Ohm-Werte. Außerdem kommt der Verstärker somit auf den wirklich beeindruckenden Frequenzumfang von 5 Hertz (Hz) bis 100 kHz. Mit den richtigen Speakern lässt sich also problemlos mit Walen und Fledermäusen das Tanzbein schwingen.

Der Signal-Rausch-Abstand von 107 Dezibel ist ebenfalls beachtlich, was eine kristallklare Wiedergabe verspricht. Dafür lassen sich analog vier Signalquellen via Cinch durchschleifen. Einer dieser Eingänge ist mit einer dezidierten Phonovorstufe bestückt, die sowohl für Moving Magnet- (MM) als auch für Moving Coil-Tonabnehmersysteme (MC) kompatibel ist. Die Festeinstellungen sind hierbei für MC-Systeme auf 100 Ohm bei 200 Mikrovolt Empfindlichkeit und für MM-Systeme auf 47 Kiloohm mit 2,5 Millivolt Empfindlichkeit geeicht.

Denon PMA-1700NE Verstärker Front
Die Schalter und Potis des PMA-1700N sind haptisch äußerst ansprechend und hoch- wertig ausgeführt

PMA-1700N: Verarbeitung vom Feinsten

Ausgangsseitig können wir am neuen Denon Verstärker zwei Lautsprecherpaare ansteuern oder eben ein Paar im Bi-Wiring-Modus anbinden. Die vergoldeten Lautsprecheranschlüsse sind dabei von höchster Güte und lassen auf eine sehr langlebige Spielpraxis schließen. Hier wackelt nichts, sondern fügt sich wie aus einem Guss ineinander. 

Ein Eindruck, der sich übrigens nicht nur auf das rückseitige Anschlussterminal beschränkt. Das gesamte Gerät ist von einwandfreier Verarbeitung. So sind etwa auch Verstärker- und Netzstromabteilung sauber voneinander getrennt. Die Trafos des Netzstroms sind zusätzlich nochmal in eigenen Isolationskammern untergebracht. Alle Bauteile sind von handverlesener Qualität und äußerst solide verbaut. Auch die Digitalsektion des Denon PM-1700NE Vollverstärkers ist in einem eigenen Subgehäuse untergebracht, damit die hier wirkenden Bauteile keine hochfrequenten Störsignale an die Analogsektion abgeben.

Für besonders Vorsichtige besteht sogar die Möglichkeit, über Aktivierung des Analog-Modes, die Digitaleinheit sowie das Display komplett auszuschalten, damit jede Gefahr der Einflussnahme gebannt ist. Dass Denon bei der Konzeption des PMA-1700NE wirklich an alle möglichen Anwendungsbereiche dachte, zeigt auch die rückseitige Unterbringung des External Preamp-Eingangs.

Dieser ermöglicht die Kopplung der Endstufen des PMA-1700NE mit einem externen Vorverstärker. Vor allem bei der Einbindung in ein Mehrkanalsystem ist dies überaus sinnvoll. Denn somit kann das Stereoset des PMA-1700NE als Frontpaar eines Surround-Arrangements dienen und über den Vorverstärker des AV-Receivers angesteuert werden. Dafür einfach den Input „EXT-Pre“ auswählen und schon kann es losgehen.

Analog First, Digital First

So ernst man die elektroakustischen Bedürfnisse gewachsener Analog-Passionisten nimmt, so hoch hält man die Ansprüche an zeitgemäße digitale Performance. Hierfür setzt Denon auf einen State Of The Art Digitalwandler Typ PDM1795 aus dem Hause Texas Instruments. Dieser ermöglicht eine Verarbeitung von Signalen mit Auflösungen bis zu 32 Bit bei einer Abtastrate von 384 kHz.

Denons Advanced AL32 Processing Plus greift dabei zusätzlich auf Algorithmen zurück, die fehlende Informationen im Signal ersetzen und somit auf Originalqualität poliert. Dies ermöglicht der PMA-1700NE entweder per USB-Input, der auch mit 11,2 MHz DSD-Formaten bespielbar ist. Alternativ dazu stehen zwei optische, sowie ein Koaxial-Eingang zur Verfügung. Einer der beiden optischen Eingänge ist übrigens als dezidierter TV-Input ausgewiesen. Der Kniff besteht hier darin, dass der PMA-1700NE ein eingehendes TV-Audio-Signal selbstständig registriert und aus dem Ruhezustand erwacht.

Auch die Lautstärkeregelung des Denon PMA-1700NE funktioniert elektronisch. Zwar lässt der angenehm schwerfällige Drehregler eine rein analoge Funktionsweise vermuten, jedoch ist das mehr Schein als Sein. Was jedoch durchaus vorteilhaft ist. Denn dadurch ist eine präzise identische Ansteuerung beider Kanäle gewährleistet. Außerdem werden so Umwege im Signalfluss vermieden.

Die Informationen müssen nicht quer durchs Gehäuse geschliffen werden und sind somit weniger anfällig für Störsignale. Freilich lassen sich Quellenwahl und Lautstärkeregelung bequem vom Hörplatz aus vornehmen. Dafür legt Denon dem PMA-1700NE eine funktionsreiche Fernbedienung bei, die zwar nicht unbedingt Design-Preise abräumen wird, dafür aber alle Funktionen des Verstärkers abzudecken vermag.

Denon PMA-1700NE Verstärker Front
Lautstärke und Quellenwahl werden auf einem kleinen LCD-Display angezeigt, des- sen technische Ausführung keine großen Gefahren auf den Signalfluss ausübt

Denon Verstärker im Klangtest

Für den musikalischen Teil dieser Besprechung koppeln wir den PMA-1700NE mit einem Paar Standlautsprecher S5t von Perlisten als Schallwandler und dem Cambridge Audio CXN Silver Netzwerkstreamer als Signalquelle. Diesen koppeln wir auf der einen Seite via Lichtleiterkabel mit dem Amp, auf der anderen Seite können wir übers Redaktions-iPad auf Tidal HiFi Plus zugreifen, von wo aus wir zunächst Musik streamen wollen.

Wir beginnen mit der peruanischen Künstlerin Daniela Lalita und ihrem Titel „Tenia Razon“. Es überrascht uns nicht, dass der Song direkt einschlägt wie eine Bombe. Scharf konturiert und räumlich von beeindruckender Plastizität gibt der PMA-1700NE Verstärker von Denon das Signal an die Lautsprecher wieder. Die Texturen von Drums, Synths und Vocals sind von brillanter Schärfe und ausgezeichnetem Detailreichtum.

Und auch bei hoher Lautstärke bleibt das Panorama stabil und die Abstimmung akkurat. Nichts zerrt und keine Betonung verschiebt sich in die eine oder andere Richtung. Dass wir den Amp auch nur ansatzweise auf seine Spitzenleistung hin ausfahren können, ist jedoch ausgeschlossen. Zu leistungsstark ist die Endstufe für Lautsprecher, Raum und Gehörgang.

Stereovollverstärker als Analoggenie

Wir wollen der Vollständigkeit halber noch eine rein analoge Performance überprüfen und greifen zum Plattenschrank. Aufgelegt wird David Bowies „Blackstar“ auf den Miracord 80 des Kieler Unternehmens Elac. Einen ausführlichen Testbericht des Kollegen Simon Mendel lesen Sie übrigens hier bei Likehifi.de.

Bowies ikonisches letztes Album, die darin enthaltene Auseinandersetzung mit der akuten Endlichkeit und Transzendenz, lebt von mysteriös verspielten Instrumentierungen, intimer Distanzlosigkeit der einzelnen Akteure und dezenten aber spukhaften Hallfahnen. Der Elac Miracord 80, der als MM-System zu Werke geht, weiß diese ganz wunderbar einzufangen und dem PMA-1700NE mundgerecht zu servieren. Dessen Sound ist vollmundig und warm.

Die Bässe werden mit einer gesunden Portion sonorer Bauchigkeit übersetzt und am anderen Ende des Frequenzspektrums glitzern feine Transienten der einzelnen Instrumente durch den Hörraum. So herausragend der Amp seine Arbeit digital zu verrichten wusste, so gewissenhaft und kompromisslos klingt er nun analog.

Wir begehen den A-/B-Vergleich mit und ohne Analog-Mode, obwohl wir uns kaum vorstellen können, worin der Sound noch wachsen soll. Und tatsächlich ist der Zugewinn dermaßen marginal, dass wir ihn fast als Placebo abschreiben wollen. Jedoch glauben wir, ein Quäntchen mehr Schliff in den Höhen zu vernehmen. Aber wie gesagt: Unsere Hand dafür ins Feuer halten wollen wir nicht. So oder so sind wir hellauf begeistert von der Performance des Denon PMA-1700NE! ■ Text: Artur Evers

Preis und Verfügbarkeit

Den Denon PMA-1700NE Stereovollverstärker gibt es zum Preis von 1.799 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen. Ausführungen: Silber und Schwarz.

Webseite: www.denon.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 07/2022

▶ Lesen Sie hier: Test: Denon PMA-900HNE Streaming Vollverstärker

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Fazit
Dass man mittlerweile keine Kompromisse mehr schließen muss zwischen Digital und Analog gilt nun spätestens mit dem Denon PMA-1700NE als bewiesen. Ein herausragendes Digitalmodul mit High Res bis zu 384 kHz trifft auf eine ausgewachsene Endstufenschaltung mit bis zu 140W pro Kanal Ausgangsleistung. Ob Phono oder Streaming – hier werden garantiert alle zufriedengestellt!
Wiedergabequalität
95
Ausstattung/Verarbeitung
90
Benutzerfreundlichkeit
100
Preis/Leistung
80
Leserwertung51 Bewertungen
48
Vorteile
hervorragender Sound
kompromisslose Technik
Nachteile
keine
93
Gesamtergebnis

Bildquellen: