Ils sont les meilleurs, sie sind die Besten, these are the champions – Diese Zeilen erklingen, wenn die besten Fussballclubs Europas Schulter an Schulter auf den Anpfiff warten. Uns begleiten sie durch diesen High End-Test der Extraklasse: Classés Delta PRE und Delta MONO tauschen die Wimpel mit Bowers & Wilkins neu aufgelegtem Lautsprecher Flaggschiffmodell 801 D4. Und Anpfiff!

Les grandes équipes

Im Mittelwert kommen jedes Jahr rund 260 Geräte bei der AUDIO TEST auf den Prüfstand. Insgesamt gingen somit in den beinahe 13 Jahren, welche wir nun für Sie die wichtigsten Neuerscheinungen besprechen, fast 19.000 Produkte durch unser Testprozedere. Freilich schleichen sich da über die Jahre Routinen ein. Gewohnheiten und Muster. Wenngleich auch jeder Test unter möglichst objektiven Bedingungen stattfindet, so gewöhnen sich auch die Ohren routinierter HiFi-Journalisten früher oder später an herausragende Performances.

Vielleicht kann man das ein wenig mit der Fussball Bundesliga vergleichen, wo es nun wahrlich keine Überraschung mehr ist, wenn der FC Bayern den Titel holt, da er einfach den besten Fußball spielt. So ist das nun einmal. Bei uns gehören großartige Musikalität und unterhaltsame Stunden mit verschiedensten HiFi-Ketten zum Berufsalltag. Und da wir natürlich jede Ausgabe sorgfältig kuratieren und eine qualitativ anspruchsvolle Vorauswahl treffen, geschehen die großen Überraschungen vergleichsweise selten.

Natürlich kommt es auch bei uns einmal vor, dass Union Berlin um die internationalen Plätze mitspielt, aber der FC Bayern bleibt nunmal der FC Bayern. Und wenn diese Mannschaft mal einem Gegner auf Augenhöhe gegenübersteht, dann freut man sich auf diese Begegnung – aller gewohnten Qualität zum Trotz. Oder gerade wegen dieser Qualität. Denn ein internationales Spitzenspiel verspricht immer ganz besondere Momente, ein Kräftemessen mit unvorhersehbarem Ausgang und gleichwohl höchstem Unterhaltungswert.

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Wenn in tausend Jahren einmal ein Delta PRE von Classé aus dem Schutt gebuddelt werden sollte, kann man sicher sein, dass die Anschlüsse noch immer einwandfrei an Ort und Stelle sind. Neben den analogen Eingängen sind auch eine stolze Anzahl digitaler Zugänge an der Rückseite verbaut. Ein XLR-Input lässt sich übrigens auch als Phono-Kanal konfigurieren.

Die Aufstellung

Daher freuen wir uns, um diese Metapher kurz zu Ende bringen zu dürfen, schon seit Wochen auf einen Test der Extraklasse, eine Art audiophiles Champions League-Finale quasi. So wie die Teambusse des FC Bayern und Manchester Citys unter den Augen etlicher Schaulustiger in der Arena vorfahren, so empfingen wir die Spediteure, welche uns die langersehnten Testmuster anlieferten. So wie die Mannschaften unter knisternder Anspannung und spürbarer Vorfreude der Fans den Rasen betreten, so haben wir das dreiteilige Verstärker-Ensemble Delta aus dem Hause Classé und den neuen Flaggschiff-Speaker 801 D4 von Bowers & Wilkins in unserem Hörraum in Augenschein genommen.

Routine hin oder her – wenn eine Begegnung mit Geräten dieser Liga ansteht, herrscht Champions-League-Stimmung. Wenngleich das schöne daran ist, dass der Sport hier metaphorisch bleibt. Denn hier geht es heute nicht um Wettkampf, sondern um Synergie. Hier gibt es heute nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen: zurücklehnen und genießen.

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Classé Delta PRE Vorverstärker

Am Anfang unserer Formation zählen wir heute auf Classés Stereo-Vorverstärker Delta PRE als Impulsgeber. Nach zwei Geräten der Sigma-Kollektion haben wir mit der Delta-Reihe erst zum dritten Mal Vertreter der kanadischen Edel-Schmiede zu Gast. Classé, deren Geräte hierzulande (wie auch Bowers & Wilkins) von Sound United vertrieben werden, wird bei der Veröffentlichung der Delta-Reihe 2020 noch keine Ahnung gehabt haben, welche verhängnisvolle Aufladungen das Wort „Delta“ in den kommenden zwei Jahren erfahren wird. Bei uns allen hat das Wort mittlerweile freilich einen großen Eindruck hinterlassen. Umso mehr hoffen wir, mit diesem Test dem Delta wieder positive Konnotationen verleihen zu können.

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Der Kopfhörerausgang arbeitet mit Crossfeed – leitet also dem einen Kanal Signale des anderen Kanals mit etwas Verzögerung zu, um Lautsprechersound zu emulieren. Der Drehregler ist haptisch ansprechend und von wertigem Drehmoment.

Denn eigentlich verbinden wir mit dem Wort Delta doch mehr als nur eine schnöde griechisch-alphabetische Auflistung garstiger Covid-Varianten. Mit Delta assoziieren wir Wasser, Fluss, Feingliedrigkeit, Übergang und Mündung in die Weite der See. Naturspektakel und lebendige Vielfalt. Jeder, der mal in einem Fluss Delta war, ob am Mississippi, dem Nil oder dem Ganges, wird das sofort nachvollziehen.

Daher steckt die Namensgebung dieser Produktlinie voller interessanter Implikationen: Denn was ist denn ein Verstärker anderes, als ein elektroakustisches Delta? Aus einem schwachen Stromfluss wird ein Starker. Eine Signallinie verästelt sich in mehrere Kanäle. Aus Information wird Schall, so wie aus Süßwasser eben Salzwasser wird.

Diverse Talente

Mit dem Delta PRE Vorverstärker offeriert Classé nun einen extrem vielseitigen Vermittler zwischen Signalquelle und Endstufe. Bündeln, verarbeiten und weiterleiten: Der Classé Delta PRE ist dafür äußerst umfangreich ausgestattet. So verfügt er neben zwei XLR-Inputs (von denen einer als balancierter Phono-Eingang konfiguriert werden kann) über zwei Cinch- und einen dezidierten Phono-Eingang auf der Seite der analogen Inputs. Digital lassen sich Signale sowohl über USB, als auch über jeweils drei koaxiale und optische Eingänge sowie über Netzwerk einspeisen. Darüber hinaus lässt sich der Classé Vorverstärker für 500 Euro um eine HDMI-Platine erweitern, die ihn dank ARC für die Heimkino-Anwendung qualifiziert.

Insgesamt lassen sich vom Nutzer bis zu 18 Eingangskanäle einzeln definieren. Kanalbetitelung, Standard-Lautstärke und auch Bypass-Schaltung für die Einbettung einzelner Kanäle in ein Mehrkanal-Arrangement mit eigener Lautstärkeregelung.

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Hinter dem ausladenden Ventilationsgitter sitzt ein stiller Lüfter, welcher die Elektronik der Endstufe mit kühlendem Luftzug versorgt. Somit ist das Gerät nicht abhängig von passiver Kühlung, sodass andere Geräte auf dem Gehäuse geparkt werden können. Freilich lassen sich beide Endstufen via Trigger einschalten und automatisch in den Standby versetzen.

Original HiFi kann der Delta PRE jedoch natürlich auch. Besonders die feinen Einstellungsmöglichkeiten des implementierten Phono-Vorverstärkers lassen die Herzen von Analog-Passionisten höher schlagen: So lässt sich etwa die Eingangskapazität für MM-Systeme in neun Schritten zwischen 50 Picofarad (pF) und 450 pF einstellen.

Für MC-Systeme mit geringem Ausgangspegel lässt sich ein Widerstand zwischen 7,5 Ohm und 1 Kiloohm festlegen, während für Hochpegel-MCs ein Eingangswiderstand von 47 Kiloohm definieren lässt. Die Vorstufe leistet schließlich eine Signalverstärkung von 41.5 Dezibel (dB) bei Hochpegelsystemen und eine Ausgangsleistung von bis zu 60 dB bei Abnehmern mit niedrigerem Ausgangspegel.

Ausgangsseitig gibt der Classé Delta PRE das Signal schließlich mit einer Ausgangsimpedanz von 200 Ohm (symmetrisch) und 50 Ohm (unsymmetrisch) bei einem Pegelumfang von -93 dB und +14 dB weiter und zeigt sich somit nicht sonderlich wählerisch bei der Wahl der Endstufe – wobei sich hier dennoch natürlich die Konsultation der verwandten Classé Delta MONO oder Delta STEREO empfiehlt!

Digitaler Spielmacher

Wie bereits angerissen, kommen natürlich nicht nur Analog-Fans, sondern auch digitale Spielideen beim Classé Delta PRE voll zum Zuge. Schließlich lassen sich alle konventionellen Dateiformate von MP3 bis DSD256 via USB-B vom DSP des Delta PRE verarbeiten. Über Netzwerk und S/PDIF lassen sich „nur“ Signale bis DSD64 vom Vorverstärker ausgeben. Alles in allem lässt Classé beim Delta PRE Vorverstärker anschlusstechnisch also keine Wünsche offen, sondern weiß jede Anforderung an ein Gerät dieser Art zu bedienen.

So verhält es sich dann auch bei der digitalen Signalverarbeitung, für welche dem Classé Vorverstärker mannigfaltige Talente entwickelt wurden. So verfügt er nicht nur über eine 2-bandige Tone-Regelung, sondern zusätzlich über einen parametrischen 5-Band-Equalizer, der nicht nur Amplituden in einem gewünschten Frequenzabschnitt hebt oder senkt, sondern sogar die Flankensteilheit definieren lässt, mit welcher die Anpassung der Lautstärke passieren soll.

Die Signalwandlung wird im Delta übrigens von gleich zwei DACs bewerkstelligt. Diese bezieht der Hersteller von AKM aus Japan. Oder besser – bezog. Denn glücklicherweise konnte Classé sich noch vor dem Brand bei AKM mit Chips eindecken. Nachdem auf dem Werksgelände von AKM im Herbst 2020 ein Großbrand ausbrach und ein Großteil vom Feuer und den Löscharbeiten zerstört wurde, musste der Japanische Chip-Hersteller seine Produktion zunächst komplett einstellen.

Bis heute liegt der Betrieb nach unserem Kenntnisstand komplett brach. Ein tragisches Ereignis, das einen sehr nachhaltig spürbaren Effekt auf die globale Elektronik-Industrie haben sollte. Und das zu Zeiten, in denen die gesamte Branche durch Pandemie und feststeckende Frachtschiffe ohnehin bereits ordentlich durchgeschüttelt wurde. Doch kehren wir zurück zur freudvolleren Hauptsache dieses Textes.

Teamplayer

Dass Classé seinem neuen Premium-Vorverstärker Delta PRE ordentlich Team-Spirit mit auf dem Weg gegeben hat, lässt sich schließlich auch an der ausgangsseitigen Ausstattung des Pre-Amps ablesen. Hier lässt sich der Delta PRE sowohl balanced als auch unbalanced in eine Fünferkette einpflegen, wobei die genaue Konfiguration der Outputs dem Nutzer freisteht. Praktisch lassen sich hier zwei Lautsprecher und ein Subwoofer oder jeweils ein Paar Stereo-Speaker und Stereo-Subs einbinden.

Für die optimale Einpassung eines (oder zweier) Subwoofer gibt uns Classé übrigens noch ein paar Möglichkeiten der Feinjustage mit an die Hand. So lassen sich nicht nur Übergangsfrequenz sondern auch Flankensteilheit des Tiefpassfilters einstellen. Außerdem lässt sich auf die übrigen Kanäle ein entsprechender Hochpassfilter konfigurieren. Sind zwei Subs angeschlossen, lässt sich übrigens auch definieren, ob wir es hier mit zwei Mono-Bässen oder einem Stereopaar zu tun haben wollen. Dies jedoch zunächst nur auf dem Papier und für unseren Test erstmal nicht von Belang. Denn bei uns kommen schließlich zwei ganz besondere Lautsprecher zum Einsatz.

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Neben den etwas futuristisch anmutenden Kühlkiemen des Delta MONO ist ein ausladender VU-Meter, der übrigens selbst bei übertriebener Lautstärke nicht ansatzweise in Richtung Maximalpegel ausschlägt.

Classé Delta MONO Endstufe

Zunächst wollen wir uns jedoch dem Mittelfeld zuwenden, wo wir für diesen Top End-Test zwei wuchtige und offenkundig spielstarke Akteure auf den Platz schicken: Zwei Boliden von Classés Mono-Endstufe Delta MONO. Diese beiden Sportsfreunde machen dabei von Anfang an klar, dass sie nicht nur schick aussehen, sondern auch ordentlich Kraft mitbringen.

Ein Nettogewicht von knapp 44 Kilogramm pro Einheit spricht eine deutliche Sprache: Hier steckt einiges an Power drin, die auf auf den Platz gebracht werden will. Mit jeweils 300 Watt Gesamtleistung können wir uns also auf ein ordentliches Spektakel gefasst machen. Dafür wurden der Delta Mono-Endstufe 22 vierpolige Kondensatoren aus dem feinen Hause Mundorf spendiert, welche auf von Hand eingesetzten Platinen Platz finden. Diese sind sechslagig ausgeführt, um möglichst kurze Leistungs- und somit Signalwege zu garantieren, die sich letztlich mit äußerst geringem Rauschen bezahlt machen.

Die Schaltungstopologie der Endstufe ist dabei natürlich von ausgesprochen vorbildlicher Symmetrie und mündet in nahezu perfekt verarbeiteten rhodinierten RCA- und Lautsprecheranschlüssen. Diese sind übrigens doppelt ausgeführt und mit einem Drehmomentbegrenzer der Firma Furutech ausgestattet.

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Die Lagerung des Mitteltöners ist aus einem soliden Stück Aluminium gefräst und mit neuen Lagerpunkten ausgestattet. Außerdem erstmals mit Conolly-Leder ver- edelt, was ein wenig an Sportwagen erinnert und den Look der 801 perfektioniert.

Das edle mattgraue Gehäuse der Delta aus eloxiertem Aluminium wird frontseitig obendrein von einem schicken beleuchteten Aussteuerungsmesser abgerundet. Damit die Endstufe auch in hitzigen Spielphasen einen kühlen Kopf bewahrt, ist sie mit einer speziellen Kühltechnologie ausgestattet, die Classé ICTunnel getauft hat. Diese Technologie reguliert die klimatischen Bedingungen im Korpus der Delta MONO aktiv, also überwacht und greift proaktiv ein, wenn nötig.

Dafür sind an der Frontseite des Korpus ausladende Kiemen eingelassen. An der Rückseite sorgt ein geräuscharmer Ventilator für den nötigen Durchzug. Das hat nicht zuletzt auch den großen Vorteil, dass man hier bedenkenlos stapeln kann, ohne Gefahr zu laufen, der Endstufe die Luft abzuschnüren.

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Der Vorteil der neuen biomimetischen Spinne gegenüber der Gewebe- Zentrierspinne liegt auf der Hand. Deutlich weniger Fläche kann hier direkt hinter dem Treiber selbst mitschwingen und störend in die Performance eingreifen.

In Austausch mit der Hintermannschaft gelangen die beiden monolithischen Endstufen via daumendicker symmetrischer Referenzkabel von In-akustik. Ebenfalls via In-akustik Kabel nehmen wir schließlich – da es ja geht – gleich doppelte Verbindung auf zu den vielversprechenden Neuzugängen aus dem Hause Bowers & Wilkins: Zwei Ausführungen des neuen High End Lautsprecher Flaggschiff-Modells 801 D4.

Doppelspitze doppelt spitze

Als wir 2017 mit der Bowers & Wilkins 800 D3 den Vorgänger unseres aktuellen Testmusters zu Besuch hatten, durfte sich B&W bei einem Testergebnis von 99 Prozent erstmals mit unserer uneingeschränkten Auszeichnung der Referenzklasse schmücken ( lesen Sie hier unseren Test). Wir auf der anderen Seite blieben insofern etwas ratlos zurück, da wir ernsthaft grübelten, was denn da noch kommen kann – eine Frage, die Bowers & Wilkins zwar nun mit der neu aufgelegten 800er D4 beantwortet aber gleichzeitig unbeantwortet lässt, da sie sich von Neuem stellt. Daher wollen wir sie am Ende des Textes einfach an Ulf Soldan weiterleiten, seines Zeichens Gesicht und vor allem Stimme B&Ws in Deutschland.

Aber zunächst ein Blick auf nachvollziehbare Tatsachen: Denn freilich hat Bowers & Wilkins die neue 800er-Kollektion einer umfassenden Überarbeitung unterzogen, welche sich an einigen technischen Features festmachen lässt. Grundlegend ist da die neu entworfene Zentrierspinne des Mitteltöners. Bislang kam hier eine Gewebekonstruktion zum Einsatz, die ob ihrer Fläche quasi als zweite Membran hinter der Membran mitspielte und unvermeidlich Einfluss auf die Performance des Mitteltöners nahm.

Für die 800 D4, welche ja bei Bowers & Wilkins stets als Innovationsträger gilt, deren Technologien nach und nach auf die breite Produktpalette übertragen werden, wurde nun eine biomimetische Zentrierspinne (BMS) entworfen. Dabei ist genau das gemeint: Die neue Konstruktion mimt die Physiognomie einer Spinne und hält die Schwingspule quasi mit ihren Beinchen.

Dadurch ist die Fläche so weit reduziert, dass deutlich weniger Einstreuung zu messen ist. Um die 1000 Hertz-Marke sind dies mal eben 80 Dezibel (dB), welche die neue Aufhängung selbst weniger abstrahlt. Der Mitteltöner ist sickenlos aufgehängt, sodass alle Arbeit, also Musikalität, einzig und allein von der Membran ausgeht.

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Den massiven Aluminiumrücken der 801 D4 kennnen wir bereits. Gut sichtbar ist hier noch eine der Rollen, welche jedoch durch Spikes ersetzt werden sollte.

Weitere Resonanzoptimierung erzielt Bowers & Wilkins durch ein verlängertes Röhrensystem des Hochtöners. Dieser wird nun von zwei N52-Neodym-Magneten angetrieben, nicht mehr von drei. Dadurch und durch das längere Rohr sind Kompressionen hinter der Diamantkalotte minimiert, der Tweeter kann freier atmen und noch unbeschwerter aufspielen.

Ein waschechter Neuner

Am anderen Ende des Spektrums gehen ab bereits abgrundtiefen 13 Hertz zwei ausladende Tieftöner mit Aerofoil-Membran von 25 cm Durchmesser zu Werke. Ausgestattet sind beide erstmals mit einem Anti-Resonanz-Plug aus Schaumstoff. Außerdem wurde auch hier die Zentrierspinne überarbeitet. Die neue BMS kommt hier noch nicht zum Einsatz. Dafür verzichtet man mittlerweile auf die bislang verbaute Doppelspinne.

Auf sein stolzes Gewicht von knapp 101 Kilogramm kommt die Bowers & Wilkins 801 D4, der neue Vorzeige-Speaker der B&W 800er-Serie nicht zuletzt ob einer umfangreich überarbeiteten Gehäusematrix.

Robuste Vertikalverstrebungen aus Aluminium verstärken das Multiplex-Gehäuse, welches nun mit der neuen Kollektion von einer massiven Aluminium-Platte gedeckelt wird. Dadurch erfährt das Gehäuse der Bowers & Wilkins 801 D4 High End Standlautsprecher nicht nur zusätzliche Versteifung, sondern bietet eine zusätzlich bessere Situation für die Entkopplung des aus einem Stück gefrästen Gehäuses des Mitteltöners. Außen ist die Oberseite des Gehäuses mit feinem Conolly-Leder bedeckt, was den Look des Lautsprechers optisch elegant abrundet, sodass er nun irgendwie vollständiger aussieht als noch sein Vorgänger.

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Die überarbietete Grundplatte des Lautsprechergehäuses ist aus massivem Aluminium gefertigt. Die Aussparung dient dem Downfiring-Bassref- lex. Dieser ist wieder mit der markanten Flowport-Maserung versehen.

Anpfiff

Wir haben so lange darauf gewartet, dass wir es nun nicht länger hinauszögern wollen, endlich mit dem langersehnten Praxistest dieser beinahe majestätischen High-End-Kette zu beginnen. Dafür nutzen wir hauptsächlich den Laptop als Quelle und schicken hochauflösende Files via USB an den Classé Delta PRE Vorverstärker. Wir beginnen mit etwas Programmmusik und zwar „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß, eine Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern unter dem legendären Herbert von Karajan.

Und was mit dem Prelude, dem „Sonnenaufgang“ passiert, scheint schlicht nicht von dieser Welt. Ausgehend von diabolisch tiefen Kontrabässen, welche sonor den ganzen Raum zum Schwingen bringen, erheben sich Trompeten mit einer beinahe holographischen Plastizität, veredelt von schillernden Violinen und kontrastiert von peitschend scharf gezeichneten Pauken. Programmmusik im wahrsten aller Sinne: es geht die Sonne auf in der Redaktion der AUDIO TEST.

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Das Gewicht von über 100 kg erlangt der Speaker vor allem ob der massiven Verstärkung der Gehäusematrix.

Nur der Form wegen soll erwähnt sein, dass sich die wirklich herausragende Klasse dieser Kette nicht nur auf orchestrale Musik beschränkt, sondern über alle Genregrenzen hinweg als nahezu perfekt erweist. Beim Song „10 Years“ des Isländischen Produzenten Dadir Freyr etwa haben wir Roto-Toms, Synthies, Chor, Streicher, Funkgitarren und einen ordentlich straffen Groove.

Alles wird von unserem Ensemble wirklich herausragend ausformuliert und mit sehr viel Gefühl für Raum transportiert. Die Bowers & Wilkins 801 D4 Lautsprecher performen mit einer unfassbaren Impulsdichte und so dermaßen gut abgestimmt, dass wir uns nun wirklich fragen:

Ulf Soldan, bei dem Status Quo und der Qualität der aktuellen Bowers & Wilkins D4 Serie, was soll da eigentlich noch kommen?

Das frage ich mich selbst natürlich auch, wenn ich wieder einmal eine neue 800er Serie von Bowers & Wilkins vorstellen darf. Die Antwort darauf bleibt über die Jahre fast gleich: Bekannte Technologien zu verbessern, neue Ideen zu entwickeln und weiter zu verfolgen, Anwendungen zu optimieren, und ungewünschte Effekte zu vermindern ist kein einmaliger Prozess, sondern die stetige Aufgabe und Motivation unserer Kollegen in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

B&W Diamanthochtöner, Continuum-Membranen, Biomimetische Aufhängung, Turbinenköpfe, Aerofoil-Tieftöner und die sickenlosen Membranen sind audiophile Meilensteine, gründen aber alle auf langjähriger seriöser Entwicklungsarbeit und der Ausdauer und dem Willen uns immer wieder selbst zu hinterfragen und herauszufordern.

Nur so können wir auch zukünftig wieder den Wunsch unserer Kunden nach der dann bestmöglichen Lautsprecherlösung von Bowers & Wilkins mit der jeweils aktuellen 800er Serie sicher erfüllen. Wir dürfen deshalb gespannt bleiben.

Webseite: www.bowerswilkins.com/de // www.classeaudio.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 2/2022. Die dargestellte Testwertung von 99 % sowie die u.s. Wertungstabelle bezieht sich auf die Bowers & Wilkins 801 D4. Die Classé PRE & Mono Vorverstärker und Endstufe erzielten im Test eine Wertung von jeweils 97 %.

▶ Lesen Sie hier: Test Klassiker: Bowers & Wilkins 800 D3 High End Standlautsprecher

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Test: Bowers & Wilkins 801 D4 & Classé PRE & Mono

Bowers & Wilkins 801 D4

Unser absoluter Favorit auf den Titel des besten Lautsprechers in dieser Spielzeit ist der neu aufgelegte 801 D4 von Bowers & Wilkins. Die detailverliebten Überarbeitungen haben den Speaker nicht nur in seinem Erscheinungsbild komplettiert, sondern auch seine Performance lässt kaum Luft für weitere Verbesserungen.

Classé Delta Pre

Classé ist mit dem Vorverstärker Delta PRE ein einzigartiges Gerät gelungen, das nicht nur in seiner Performance, sondern auch ob seiner vielseitigen Ausstattungen auf allen Ebenen brilliert. Die vielen Optionen für die integrierte Phono-Endstufe sowie der parametrische EQ sind nur eine Auswahl...

Classé Delta Mono

Hub Hub Hub – Das, so könnte man meinen, ist Classés Devise bei der Konstruktion des Delta MONO gewesen. Dabei zeigt sich die monolithische Endstufe durchaus feinfühlig, wenn es darauf ankommt. Dank der aktiven Kühlung ist das Gerät sogar sehr flexibel integrierbar. Chapéau!

Wiedergabequalität100%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis99%
Vorteile
  • unfassbarer, beinahe holographischer Sound
  • exzellente Räumlichkeit
  • für 100 kg extrem unkomplizierte Installation
Nachteile
  • keine
99%Gesamtergebnis
Leserwertung: (6 Votes)
62%

Bildquellen:

  • Classe_Delta_III_Pre_Amplifier_Studio_004: Auerbach Verlag
  • 801-D4-Gloss-Black-Front-Grille-Off: Auerbach Verlag
  • Classe_Delta_III_Pre_Amplifier_Studio_008: Auerbach Verlag
  • Classe_DeltaSeries_Delta-MONO_StereoPreamp_Black_112241-01_StudioB: Auerbach Verlag
  • Classe_Delta_III_Mono_Amplifier_Studio_010: Auerbach Verlag
  • 801-D4-Aluminium-Top-Plate-Leather-Plan-View: Auerbach Verlag
  • Biomimetic-Suspension-Plan-View: Auerbach Verlag
  • 801-D4-Gloss-Black-Rear: Auerbach Verlag
  • 801-D4-Steel-Bottom-Plate: Auerbach Verlag
  • 801-D4-Matrix-Assembly-Angle-View: Auerbach Verlag
  • Bowers Wilkins 801 D4 Test: Auerbach Verlag