Mit dem Rega Planar 1 2016 bringt der britische Hersteller ein komplett überarbeitetes Modell seines Dauerbrenners. Ob es den Briten gelungen ist, den Publikumsliebling noch weiter zu verbessern, soll der folgende Test zeigen.

Die Legende lebt

Für Freunde britischen HiFi-Equipments ist Rega eine Institution. Besonders Plattenspieler, die bereits seit 1973 in der Grafschaft Essex entstehen, ernteten viel Lob. Von Anfang an im Programm: der Planar. Unter der Leitung von Tony Relph und Roy Gandy wurde die Technik bis zum heutigen Tag kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei hielt man immer am puristischen Design der Geräte fest. Produktionsstandort ist seit jeher England. Some Things Never Change. Ein Dauerbrenner von Rega ist zweifelsohne der RP1. Dieses Modell markiert den Einstieg in die Welt der audiophilen Turntables und stand Pate für zahlreiche Nachahmer. Regas patentierter Tonarm, der Verzicht auf jegliche Automatik, die Verwendung hochwertiger Materialien und eine Beschränkung auf das Notwendigste sind charakteristisch für den Briten. Klanglich konnte das Gerät dabei schon immer überzeugen. Keine leichte Aufgabe, ein derart ausgereiftes Produkt noch weiter zu verbessern. 2016 brachten die Engländer gleich drei Neuheiten auf den Markt. Den Anfang machte, sozusagen als Technologieträger, der runderneuerte Planar 3. Es folgte der Planar 2 und schlussendlich im September der Planar 1, dem der heutige Test gewidmet ist.

Unübersehbar ist, dass der Planar 1 auf Basis des großen Laufwerks Planar 3, welches wir Ihnen in Heft 6/2016 vorstellten, entwickelt wurde. Spendiert hat man ihm einen neuen Tonarm, den RB 110. Dieser Tonarm verfügt über exakt die gleichen spielfreien Präzisionslager aus Messing wie der RB 330. Für eine ordentliche Stromversorgung ist jetzt auch im kleinsten Rega-Dreher das 24-Volt-Netzteil verantwortlich. Rein äußerlich glänzt das Chassis des Planar 1 dank Hochglanzlack wahlweise in unschuldigem Weiß oder edlem schwarz. Der Netzschalter wanderte auf die Unterseite des Chassis, was dem eh schon sehr homogenen Äußeren des Planar zusätzlich Wirkung verleiht. Dem Motor spendierte Rega eine neue Abdeckung mit besserer Kühlwirkung.

Der Plattenteller wurde einer höheren Schwungmasse zuliebe neu entwickelt. Selbst die Füße und das Gegengewicht blieben nicht unangetastet. Für jene, denen das noch nicht genügt, hat Rega mit dem sogenannten „Performance Pack“ ein kleines Tuningpaket im Programm. Damit erhält der Käufer ein Tellermatte aus Wolle, einen verbesserten Antriebsriemen und den Abtaster Bias 2.

Mit an Board – Der Rega Carbon Tonabnehmer, der nach dem
MM-Prinzip arbeitet und natürlich austauschbar ist

Bereits ab Werk ist ein Rega Carbon MM-Tonabnehmer montiert.

Einmal ausgepackt, Transportsicherung entfernt, Schwungmasse montiert, Tellermatte aufgelegt und angeschlossen steht dem Musikgenuss nichts mehr im Wege. Die Einstellung des Antiskatings ist entbehrlich. Mit diesem Rundum-sorglospaket finden selbst Vinyl-einsteiger schnell zum guten Ton. Doch erfahrungsgemäß genügt ein Rega auch höheren Ansprüchen. Genug der Theorie. Wir wollen hören, ob der kleine Rega hält, was seine Optik verspricht.

 

Klangtest

Einspielen darf sich der frisch im Hörraum eingetroffene Testkandidat mit dem 1986 erschienenen Album Gravity des Altmeisters James Brown. „How Do You Stop“ ertönt aus unserer Referenzkombination und macht Lust auf mehr.

Der Rega erinnert sofort daran, wie warm, rund und voll Vinyl im Vergleich zur CD klingen kann. Ungetrübt von Gleichlaufschwankungen oder überspitzten, nervenaufreibenden Höhen geht es zur Sache. Angenehm groovt die Stimme des Altmeisters. 

Im Grunde genommen bedarf es keiner weiteren Feinabstimmung des Planar 1. Der ab Werk spendierte Tonabnehmer überzeugt bereits beim ersten Stück. Den Schwierigkeitsgrad steigern wir mit etwas schnellerer und druckvollerer Musik. Was liegt bei einem Schallplattenspieler aus Essex näher als ein Band aufzulegen, die hier ihre Wurzeln hat. Mit der Singleauskopplung „People are People“ landeten Depeche Mode 1984 einen Megahit. Ganz bestimmt wurde dieser Titel damals auch schon auf einem Rega Planar in Southend on Sea abgespielt. 

Für die 45 RPM muss, wie seinerzeit, der Riemen unter dem Plattenteller vom kleineren auf das größere Rad umgesetzt werden. Druckvoll und rhythmisch gibt der kleine Planar den Sound wieder. Mit guter Auflösung geht er zur Sache und führt mit vollem Einsatz die ganze Fülle des Synth Pop auf. „People are People“ donnert einem so frisch und zackig entgegen, dass es uns das Alter der Platte völlig vergessen lässt.

Zum Ausklang soll es etwas gemütlicher zugehen, um herauszufinden, wie es unser Gerät mit handgemachter Musik hält. „Slowhand“ von Eric Clapton aus dem Jahr 1977 ist so ein Album für ruhigere Stunden. Die Coverversion von „Cocaine“ oder der Titel „Wonderful Tonight“ wurden beispielsweise auf diesem fünften Soloalbum des Künstlers veröffentlicht.

Der britische Musiker gilt als einer der bedeutendsten Gitarristen. Und das hört man mit dem Rega auch. Ausschweifende Gitarrensoli bringen uns dem Ausnahmekünstler deutlich näher.

Authentisch ertönt seine Stimme. Unbeirrbar hält der Planar sein Tempo. Bei den leiseren Tönen fehlt dem Rega-Carbon das letzte Quäntchen Aufmerksamkeit. Hier können höherwertigere Abtaster  noch mehr aus den Rillen holen und den Bühnenvorhang etwas weiter aufreißen.

weitere Infos unter: www.tad-audiovertrieb.de oder www.rega-audio.de

Test: Rega Planar 1 - Die Legende lebt
Das ganze Potential des neuen Rega Planar 1 ist mit der Basisausstattung noch nicht ausgeschöpft. Dennoch beachtlich, wie weit oben Rega das Einstiegsmodell positioniert hat. Im direkten Vergleich mit teureren Plattenspielern fallen die klanglichen Unterschiede marginal aus. Der Musikgenuss hat hier vor Ausstattung und Erscheinungsbild oberste Priorität. Dieser gelungene Kompromiss ermöglicht es den Briten trotz Brexit, auch für ihren neuen Sprössling einen äußerst konkurrenzfähigen Preis aufzurufen.
Wiedergabequalität85%
Ausstattung/Verarbeitung84%
Benutzerfreundlichkeit85%
Preis/Leistungsverhältnis92%
Vorteile
  • upgradefähig
  • neutrale Klangwiedergabe
  • straffe Bässe
Nachteile
  • bedarf längerer Einspielzeit
84%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
51%

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