Klangvolles Designermöbel  

Die Iota Alpha fallen einerseits durch ein ungewöhnliches Design auf. Andererseits integrieren sie sich im heimischen Wohnzimmer absolut unauffällig. Ist ihr Klang genauso unaufgeregt? Unser Test kommt zu einem eindeutigen Urteil.

Der erste Iota-Lautsprecher hatte seinen Auftritt vor sechs Jahren. Seit damals ist er einer der Dauerbrenner bei Neat Acoustic. Im Februar 2016 stellten dann die Briten einen namenlosen Lautsprecher vor. Der sorgte schon allein wegen seines Aussehens für Aufmerksamkeit. Erst im Juni 2016 erfuhr die Öffentlichkeit: Es handelte sich dabei um den Iota Alpha.

Neat Acoustic machte nämlich aus ihrem Regallautsprecher einen Standlautsprecher. Allerdings könnten seine Abmessungen von 45 × 20 × 16 Zentimeter wohl den ein oder anderen auf die Idee bringen, ihn auf dem Sideboard zu platzieren. Bloß nicht machen, niemals! Weshalb, erklären wir gleich, doch zuerst wollen wir uns einen der kompaktesten Standlautsprecher, den wir je erlebt haben, genauer ansehen.

Iota mit Unterbau

Wer den Iota bereits kennt, der sieht die Ähnlichkeit sofort. Es wirkt, als hätte Neat einfach einen Holzkasten genommen und darauf leicht abgeschrägt den Iota gesetzt. Dieses sehr eckige, wirklich aus dem aktuellen Trend zu runden Ecken und Kanten fallende Design macht auf jeden Fall neugierig. Ob es gefällt, ist reine Geschmackssache. Für Puristen und Technikverliebte hat das Design ganz sicher großen Charme. Zumal der schmale Bändchen-Tweeter Assoziationen an ein altes Röhrenradio weckt.

Auf jeden Fall passen sich die Iota Alpha unauffällig in jedes Wohnzimmer ein. Egal ob wir einen klassischen Einrichtungsstil oder einen modern-minimalistischen bevorzugen. Damit es farblich stimmt, gibt es die kleinen Standlautsprecher in den vier Farben Natur, Walnuss, Schwarz und Weiß. Alle Finishes sind matt, Hochglanzblinken ist nichts für die Alphas.

Hochwertig konstruiert

Oben sitzen in angeschrägter Position der 100 Millimeter messende Tiefmitteltöner und gleich daneben das 50 Millimeter breite EMIT-Bändchen. Das ist für flinke, gerichtete hohe Töne zuständig. Hier kommt nämlich keine Kalotte mit Schwingspule zum Einsatz, sondern eine leichte Membran aus Aluminium. Sie durchfließt ein Wechselstrom und setzt sie dabei in Bewegung. Da dieses Bändchen extrem leicht ist, hat es praktisch keine Trägheit. Es reagiert also innerhalb von tausendstel Sekunden und führt so zu einer subjektiv empfundenen Schnelligkeit. Darüber hinaus sorgt die geometrische Form für eine Bündelung des Schalls, sodass nur wenig davon zur Decke oder zum Fußboden gelangt.

Neat Acoustic Iota Alpha

Der EMIT-Bändchen Hochtöner ist seitlich des Tief/Mittel-Töners angebracht. Diese Anordnung kommt fast so gut wie nie vor

Diese Töner-Kombi sorgt schon im Iota für klasse Klang. Nun kommt aber noch eine Tieftonkammer hinzu. An deren Ende liegt ein 134-Millimeter-Tieftöner. Es strahlt nach unten ab. Diese Konstruktion erlaubt den Neats ein Klangvolumen, was am Rand des physikalisch Machbaren liegt. Oder anders ausgedrückt: Für diese Größe kommen sie verdammt tief. So geben die Hersteller aus Teesdale für ihr 2,5-Wege-System einen Frequenzverlauf von 33 Hz bis 22 kHz an. Die Empfindlichkeit der Alphas liegt bei 86 dB/1W/1m und macht sie mit ihren vier Ohm Impedanz nicht ganz so laut, wie die meisten großen Standlautsprecher.

Bei der Verarbeitung macht Neat Acoustic keine Kompromisse. Egal ob wir die Spikes betrachten, die montiert werden müssen, damit der Abstand zum Boden stimmt oder die hinteren Kombi-Anschlüsse oder das nahtlos zusammengesetzte Gehäuse, hier stimmt einfach alles.

Neat Acoustic Iota Alpha

Im oberen Bereich sehen die Iota Alpha genau wie ihre Verwandten die Iota aus und geben den Schall schräg nach oben ab

Die Position der Iota Alpha

Generell gilt für alle Lautsprecher: Die Position macht die Finessen des Klangs aus. Bei den Iota Alpha ist das nicht anders. Zu allererst gehören sie auf den Boden. Am besten werden sie so gestellt, dass der Tiefmitteltöner den Hörer ansieht. Die Rückwand des Zimmers sollte mindestens zwanzig Zentimeter weit von den Boxen entfernt sein und die Seitenwände 50 Zentimeter.

Bei den Alphas probieren wir eine Weile im Stereodreieck herum. Wir erzielen schließlich das beste Ergebnis mit einem Abstand von zwei Metern zum Hörer, gemessen auf der jeweiligen Schenkelachse.

Der virtuelle Centerspeaker

Als Tester bekommen wir sehr viele wirklich gut klingende Lautsprecher zu Gehör. Mal gefällt uns die eine Sache, Mal die andere. Echte Überraschungen sind aber eher selten. Doch die Iota Alpha sorgen schon bei den ersten Tönen für erstaunte Gesichter. Wir legen nämlich zuerst ein Hörspiel ein bzw. streamen es aus dem WDR-Hörspielspeicher. Schon bei den ersten Geräuschen baut sich vor uns ein Stereoraum auf, der seines Gleichen sucht. Stimmen kommen von links, von rechts und aus allen Richtungen dazwischen. Es ist beeindruckend, wie genau wir sagen können, wer wo spricht. Fast haben wir das Gefühl, die Schauspieler stehen vor uns im Raum. Ein Tester meint, wenn wir einen Centerspeaker in die Mitte stellen würden, ihn aber nicht anschließen, würde trotzdem jeder glauben, er wäre aktiv. So extrem präzise kommt der Klang aus der Phantommitte.

Sofort im Anschluss an das Hörspiel testen wir einige Kinofilme über die Alphas. Das Ergebnis ist das Gleiche. Alle räumlichen Feinheiten bringen sie lebendig und präzise verortbar zu Gehör. Wer auf rückwertige Lautsprecher verzichten kann oder muss, der sollte statt einer 2.1- bzw. 3.1-Anlage die Iota Alphas nutzen. Zumal sie auch musikalisch sehr viel auf dem Kasten haben.

Dont You Worry …

Ihr 1992 erschienenes Album „Tribes, Vibes + Stribes“ brachte der Band Incognito in Deutschland eine goldene Platte im Bereich Jazz ein. Zum 25-jährigen Geburtstag ihrer Erstveröffentlichung hören wir in deren Interpretation von Steve Wonders „Dont You Worry Bout A Thing“. Die Violinen schmeicheln sich kurz ein und gleich bei den ersten Klavier-Tönen sind wir angetan von der lebendigen Fröhlichkeit, die uns die Iota Alpha vermitteln. Sehr feingliedrig und bewusst arbeiten sie selbst die kleinsten Nuancen der Instrumente heraus. Alles ist schön scharf voneinander getrennt, aber ohne die Musik zu sezieren oder auseinanderzureißen. Der Bass ist in Anbetracht der Lautsprechergröße extrem voll und präsent, sowie perfekt dosiert.

Immer wieder fragen wir uns: Sind das wirklich diese kleinen Boxen, die hier spielen? Und wir sind uns sicher, sie können es definitiv mit den meisten großen Vertretern ihrer Art aufnehmen. Sie beschönigen nichts, aber verzeihen auch Fehler in der Abmischung, wenn etwa Mitten zu scharf klingen. Nachdem die letzten Töne der CD verklungen sind, wollen wir hören, ob die Iota Alpha auch bei analogen Klängen eine derart gute Figur machen.

Die diebische Elster

Preis: EUR 6,99
Wir legen die Ouvertüre „Die diebische Elster“ (EMI) auf. Hier holen die Neats ein Maximum aus der Aufnahme. Gerade der wunderbar aufgebaute Stereoraum verzückt. Wir hören das Orchester in all seiner Schönheit, als ob wir direkt davor stehen würden. Die spielerischen Fagotte erscheinen förmlich im Testraum. Als dann das volle Orchester einsetzt, schleicht unweigerlich eine Gänsehaut über den Körper. Das sanfte Rauschen der Aufnahme gibt dem Ganzen eine wunderbare Wärme, welche die Alphas gekonnt inszenieren. Ohne Frage verstehen sich analoge Aufnahmen und die Briten ausnahmslos gut.

Gut – die Premium-Disziplinen für Lautsprecher Jazz und Klassik haben die kleinen Briten problemlos absolviert. Doch wie sieht es mit schnelleren, elektronischen Tönen aus? Wir nutzen zum Test das Internetradio über unseren Cambridge CXN und wählen einen der vielen Technosender an. Die Drums wummern los, die Synthies schreien und der Bass treibt ordentlich. Auch hier wissen die Alphas alles einzusetzen, was sie haben. Treibende Bässe, differenzierte Höhe und Mitten, die direkt zur Sache kommen – Techno in klanglicher Höchstform. Für den nächsten Rave im Wohnzimmer sind die kleinen Standlautsprecher also auch problemlos geeignet. Einen Subwoofer vermissen wir dabei nicht. Uns genügt der wirklich hervorragend kräftig, volle Bass der Alphas. 

weitere Informationen unter: neatacoustics.com

Test: Neat Acoustic Iota Alpha - Top Design und Klang
Die Iota Alpha sind direkte und sehr spielfreudige Lautsprecher. Schwächen konnten wir nicht ausmachen, außer wir vergleichen sie direkt mit großen Standlautsprechern. Die haben dann doch mehr Bassfülle. Allerdings ist der Vergleich unfair, denn physikalische Grenzen gibt es selbst für die Alphas. Für kleine bis mittelgroße Zimmer sind sie die erste Wahl. Sie nehmen kaum Platz weg, sind unauffällig und sorgen neben toller Musik auch für ausgezeichneten Sound bei Film und Fernsehen. Besonders die ausgezeichnet ausgeprägte Phantommitte hat uns überzeugt.
Basswiedergabe85%
Mittenwiedergabe92%
Höhenwiedergabe95%
Benutzerfreundlichkeit70%
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/ Verarbeitung100%
Vorteile
  • direkter Sound
  • perfektes Stereobild
  • detailreicher Klang
Nachteile
  • im Gegensatz zu großen Standlautsprechern weniger Bass
89%Gesamtwertung
Leserwertung: (5 Votes)
60%

Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräusche machen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

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