Was passiert, wenn man zwei der audiophilsten Technologien der Welt – Elektrostaten und Röhren – miteinander kombiniert? Let’s talk about Stax.

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Es gibt Geräte und Marken in der HiFi-Welt, da weiß man einfach schon so ziemlich genau von Anfang an wo die Reise hingeht, was man sich darunter vorzustellen hat. Wie sich etwas anfühlt und klingt, was etwas Wert ist. All das ist schon hinreichend genau definiert. Relativ wenige Unbekannte. Oder doch alles nur Vorurteile? Ganz ehrlich? Wenn wir an Stax denken, dann sehen wir ein ganz spezifisches Bild vor uns. Edel, etwas fragil, ausladend im Design, dafür aber extrem einladend im Sound. Eine Stilikone. Eine Kopfhörer-Marke, die ihre Nische gefunden hat und die gleichzeitig damit ihr Image definiert.

So ziemlich das Nonplusultra, wenn es ums Feinhören geht, das Ende der Fahnenstange sozusagen. Aber gleichzeitig auch ein bisschen ein Alte-Leute-Hörer mit gut gealtertem Retro-Look, der über die Jahre schon so etwas wie zum Aushängeschild der japanischen Marke geworden ist. Einen Stax Kopfhörer erkennt man. Der hat Wiedererkennungswert. In der Optik und in der Akustik. Oder haben wir ein falsches Bild?

Test: Stax Lambda SR-L500 MK2 HiFi-Kopfhörer (Elektrostaten) & SRM-500T Kopfhörerverstärker
Trotz ihrer Größe sind die Stax Kopfhörer angenehm leicht. Die offene Bauform erzeugt ein offenes Bild.

Stax Lambda SR-L500 MK2

Das japanische Unternehmen Stax hat sich auf Elektrostaten Kopfhörer und die dazugehörige Elektronik spezialisiert. Denn für den Antrieb eines solchen Kopfhörers bedarf es entsprechender Spielpartner. Einfach an die Kopfhörerbuchse anschließen ist hier nicht. Der Stax 500er ist das mittlere Modell der ikonischen Lambda-Modelle von Stax, die preislich gar nicht so heftig zu Buche schlagen, wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen würde. Einen dreistelligen Betrag für einen guten Einsteiger-Elektrostaten halten wir für absolut fair.

Dass der Kopfhörer in großen Teilen aus Kunststoff besteht, hat seine Gründe ebenfalls in der technischen Bauform zu finden. Ein Elektrostat ist eine aufwändige Konstruktion, die viel Isolation erfordert. Wir arbeiten hier immerhin mit einer Betriebsspannung von 580VDC auf den Membranen. Ja, sie haben richtig gelesen. Das heißt brachial formuliert, wir setzen uns einen Kondensator auf den Kopf. Mehr Informationen zur Funktionsweise von Elektrostaten finden Sie in unserer Theorie-Rubrik “Dr. Ton” ebenfalls in AUDIO TEST Ausgabe 05/2021 (oder lesen Sie hier unseren Hintergrundartikel zum Thema Kopfhörer-Wandler).

Schauen wir also ein bisschen auf die Eckdaten des uns vorliegenden Probanden, dem Stax Lambda SR-L500 MK2, denn die sind allein auf dem Papier eine Augenweide. Einen Frequenzgang von 7 Hertz bis 41 Kilohertz sieht man zum Beispiel nicht alle Tage, aber für einen Stax überrascht das irgendwie auch wieder überhaupt nicht. Mit 118 dB schaffen die Stax Lambda SR-L500 MK2 einen maximalen Schalldruck, der von dynamischen Kopfhörern überboten werden kann, aber für die meisten Menschen absolut ausreichend ist.

Es geht natürlich aufgrund der offenen Bauform eine Menge Energie nach Außen verloren, aber wir haben schon Elektrostaten mit weniger Druck gehört. Wir bewegen uns also absolut im Soll. Mit 347 Gramm sind die Stax Ohrhörer als solches gar nicht mal so schwer, eher leicht in Anbetracht der Optik. Sobald die Kabel dazu kommen, werden sie jedoch um mehr als 100 Gramm schwerer, was deutlich spürbar ist und am Hörer zieht. So in der Wohnung rumlaufen, während man hört: bedingt möglich.

Die Stax Lambda SR-L500 MK2 Kopfhörer sind eher was zum in den Sessel oder aufs Sofa setzen, obschon Stax jetzt auch einen mobilen Verstärker für die Lambda-Modelle anbietet. Das Kabel ist eher nicht so für unterwegs. Das hat auch was mit der Form als Flachbandkabel zu tun. Die fünf großzügig dimensionierten Adern beanspruchen einfach eine Menge Material. Aber Moment mal. Fünf Adern? Was läuft denn da über die Leitung?

Test: Stax Lambda SR-L500 MK2 HiFi-Kopfhörer (Elektrostaten) & SRM-500T Kopfhörerverstärker
Das inkludierte Verbindungskabel zum Kopfhörer liefert jeweils drei Adern an jede Muschel, insgesamt 5 Wege bei einer gemeinsamen Masse.

Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker

Das Herzstück, der Motor der von uns getesteten Kette, ist der Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker. An diesen schließen wir unseren Lambda über das spezielle 5-polige Kabel an. Und als wären die Kopfhörer mit ihrer ikonischen, extrovertierten Art und der speziellen Bauform noch nicht genug, entschied man sich beim ideal abgestimmten Verstärker für eine Röhrenbauform!

Jeder der so eine gewisse Grundkenntnis von Audiotechnologie hat, bekommt jetzt sicherlich große Ohren oder große Augen. Was für eine Kombination! Wenn schon ein Mercedes, dann also die S-Klasse mit allen Sonderausstattungen inklusive. Was für ein Statement. Aber klappt das auch so, wie sich Stax das vorgestellt hat? Geht die Rechnung auf?

Die zwei 6FQ7- bzw. 6CG7-Röhren machen auf jeden Fall gut Hitze, kein Wunder bei 38 Watt Leistungsaufnahme. Wir hoffen jedenfalls nicht, dass wir die 38 Watt auf die Ohren bekommen werden. Der Stax Kopfhörerverstärker liefert zudem einen Frequenzgang von 0 bis 90 kHz bei 30 Volt Ausgangsspannung bei gerade einmal 0,01 Prozent Klirr. Röhren, die kaum verzerren? Interessant. Bis zu 60 Dezibel Verstärkung sind mit dem Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker möglich. So werden aus 100 Millivolt am Eingang schnell mal 100 Volt am Ausgang.

Der ausladend dimensionierte Volumenregler hat zudem einen ganz speziellen Clou. Er regel nämlich nicht beide Seiten des Kopfhörers gemeinsam, sondern auf Wunsch auch in Balance. Dafür kann die hintere gegen die vordere Ebene des Potis verschoben werden, wodurch sich die Lautstärkeverhältnisse der Kanäle zueinander verschieben. Sehr interessantes Feature! Angeschlossen werden können Quellen symmetrischer und unsymmetrischer Natur.

Ausgangsseitig bedient der SRM-500T Kopfhörerverstärker leider nur die Stax-Kopfhörer der Pro-Serie, aber so ist das halt mit Nischenprodukten und Spezialkonstruktionen. Schließlich kann einerseits nicht jeder Kopfhörerverstärker die für die Elektrostaten benötigten 580 Volt liefern, andererseits benötigen andere Bauformen diese Konstruktion nicht. Betrachten Sie es als Team. Wie die Phantomspeisung eines Mikrofonvorverstärkers für Kondensatormikrofone. Es gibt bestimmte technische Notwendigkeiten, die können wir nicht umgehen. Der Vorteil liegt aber auf der Hand: Alles aus einer Hand. Sie wissen was das für den Klang bedeutet?

Test: Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker
Das Innenleben des Stax SRM-500T Kopfhörerverstärkers ist aufgeräumt und strikt symmetrisch aufgebaut. Viele konventionelle Bauteile, ein klassisches Analog-Gerät.

Stax Kombi im Klangtest

Können Sie sich noch an die Computer und die Internetgeschwindigkeiten der 90er Jahre erinnern? Wenn es einfach mal fünf Minuten gedauert hat ein Bild in 256 Farben herunterzuladen. Stellen Sie sich vor: Das sind normale Kopfhörer heute. Die Stax schaffen ab Werk halt einfach mal eine Farbtiefe von 16 Millionen Farbnuancen und das ohne Wartezeit – um mal die Internet-Metapher fortzuführen.

Wir reden hier also über neue Ebenen, die der Kopfhörer eröffnet, die andere einfach nicht darstellen können. Das sind zum Beispiel Effekte wie Flanger auf Gitarren, die zwar im wandernden Stereopanorma und durch den Kammfiltereffekt selbst auf billigsten Kopfhörern erkennbar sind, aber erst durch die Stax Lambda SR-L500 Kopfhörer wird der Effekt freigelegt und deutlich. Wie bei einer archäologischen Ausgrabung.

Woran liegt das? Nun, es liegt auf der Hand: Geschwindigkeit. Die Elektrostaten sind so schnell, dass wir in einem unserer Lieblingssongs “Familiar Ground” der Band Cinematic Orchestra vom Album “Ma Fleur”, dass wir bei diesem Titel bei einer Minute und 38 Sekunden einen offensichtlichen Schnittfehler, einen sogenannten An-Atmer heraushören, der bei der Produktion, ob gewollt oder ungewollt, aber auf jeden Fall nun sehr offensichtlich zu Tage tritt. Bäm!

Da können viele so genannte Monitor- oder Studiolautsprecher direkt wieder einpacken. Dieser Kopfhörer zeigt Ihnen alles. Auch wenn Sie das eventuell nicht mögen. So ist die vorliegende Kette prädestiniert für Aufnahmen von hoher Qualität. Alles unterhalb der CD-Grenze wird tatsächlich nur schwer erträglich. Gut also, wenn Sie mit HiRes-Streamingdiensten oder einer eigenen Sammlung ausgestattet sind.

Was das Timbre des Klangs angeht, so gehen hier Hörer und Verstärker absolut Hand in Hand. Die Schärfe durch die Geschwindigkeit der Push-Pull-Konstruktion des Elektrostaten wird durch die Röhren abgemildert. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wir hatten es auch erst anders vermutet, aber die Kette ist auch über lange Zeit angenehm durchhörbar. Das hat wiederum vor allem etwas mit den verhältnismäßig niedrigen Verzerrungen zu tun. Je klarer ein Bild ist, desto weniger muss unser Gehirn arbeiten um eventuelle Informationen zu rekonstruieren. Das entspannt.

Und weil das so sehr relaxed und die Aggressivität manch kühler Mainstream-Produktion entschärft und klar definiert, sind wir der Meinung Bob Marley würde dieser Kopfhörer gefallen. Wenn er singt “I wanna know you / and treat you right / I wanna love you / every day and every night / we’ll be together” gewinnt man den Eindruck, er besingt den Stax-Sound, denn der ist ihm auf die Seele geschneidert. Immer unter Spannung, aber mit viel Wärme und Strahlkraft. Klar in der Message, rhythmisch auf den Punkt und Zeit seines Lebens eine Legende. Is this love?

Test: Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker
Es kann zwischen symmetrischer und unsymmetrischer Zuspielung gewält werden. An einen Bypass wurde auch gedacht.

Preis und Verfügbarkeit

Den elektrostatischen Kopfhörer Stax Lambda SR-L500 MK2 gibt es zum Preis von 900 Euro (UVP) im HiFi-Fachhandel zu kaufen. Der Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker kostet 1.850 Euro (UVP) und ist ebenfalls im Fachhandel erhältlich. Die Produkte von Stax werden in Deutschland von ATR – Audio Trade vertrieben und vermarktet.

Mehr Informationen: https://www.audiotra.de/stax-kopfhoerer

Anmerkung: Dieser Text erschien erstmalig in Ausgabe 5/21 des AUDIO TEST Magazins. Die dargestellte Testwertung von 95% sowie die u.s. Wertungstabelle bezieht sich auf die Stax Lambda SR-L500 MK2 Kopfhörer. Der Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker erzielte im Test eine Gesamtwertung von 93%.

► Lesen Sie hier: Die besten Kopfhörer des Jahres

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Test: Stax Lambda SR-L500 MK2 HiFi-Kopfhörer (Elektrostaten) & SRM-500T Kopfhörerverstärker

Stax Lambda SR-L500 MK2

Life sucks without a Stax, möchte man zynisch meinen. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Aber so ein bisschen traurig sind wir schon, dass es Testmuster sind, die wir abgeben müssen. Obwohl wir bei der Lambda-Serie von den kleinen Modellen von Stax reden, möchten wir meinen, sie gehören zu den besten Kopfhörern, die wir in den letzten 10 Jahren hören durften.

Stax SRM-500T

Als wären Elektrostaten nicht schon die Krone der Schöpfung, geht man bei Stax aufs Ganze und treibt diese Schöngeister wiederum mit Schönzeichnern an. Wenn zwei Meister sich treff en, darf man großes erwarten und der SRM-500T erfüllt diese Erwartungen ausgezeichnet. Schade, dass er nur für Stax-Kopfhörer funktioniert.

Wiedergabequalität98%
Ausstattung/Verarbeitung94%
Benutzerfreundlicheit94%
Preis-Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • hohe Geschwindigkeit / breites Wiedergabespektrum (Stax Lambda SR-L500 MK2 Kopfhörer)
  • geringe Verzerrungen / Musikalität (Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker)
Nachteile
  • Kopfhörer benötigt Spezialverstärker (Stax Lambda SR-L500 MK2 Kopfhörer)
  • Nur für Stax-Kopfhör (Stax SRM-500T Kopfhörerverstärker)
95%Gesamtwertung
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Bildquellen:

  • Stax_SR-L500_MK2_130_300WKXZJjBPWRaWG: ATR - Audio Trade
  • Stax_Kabel_Stecker_140_300: ATR - Audio Trade
  • sta_srm_500t_silber_web_03: ATR - Audio Trade
  • Stax_SRM_500T_back_1600_72: ATR - Audio Trade
  • Stax SRM 500T Kopfhörer Test: ATR - Audio Trade