Der neue kleine Ableger der legendären MUON-Lautsprecher wird hoch gehandelt. Dieser ist, wie sein größerer Bruder, vom englischen Designer Ross Lovegrove entworfen worden. Die optische Anlehnung an eine Desoxyribonukleinsäure (DNS) ist nicht von der Hand zu weisen. Zwar fehlt der zusammengeschnürte Mittelteil wie bei der MUON, dieser wird jedoch visuell mit den gestanzten Löchern des steifen Druckguss-Gehäuses erzeugt, welches von einer akustisch entkoppelten Aluminium-Hülle umschlossen wird. Die Maße sind mit 80 mal 210 mal 60 Millimeter (mm) normal, doch durch die Verwendung des Druckgusses steigt das Gewicht (800 Gramm) des Lautsprechers auf einen in dieser Klasse ungewöhnlichen hohen Wert. Besser kann KEF den Qualitätsanspruch der neuen „Kleinen“ nicht unterstreichen. Der Speaker verfügt trotz seiner minimalen Abmessungen über eine brachiale Klanggewalt. Im Test vibrierte sogar eine Steinplatte, auf der der Speaker stand, leicht mit. Doch dazu später mehr. Für einen transportablen Einsatz im Freien ist durch das Gewicht abzuraten. 

Kef-Muo-III

Eine fantasische Verarbeitung und abgerundete Kanten – Super! Auf der Rückseite: Die USB-Ladebuchse und der LineIn-Eingang

Die Wiedergabedauer ist mit zwölf Stunden angeben, was sehr ordentlich ist, wenn man die Leistung des MUO bedenkt. Er braucht jedoch drei Stunden Aufladezeit, bis die Entladung wieder auf Null gesetzt ist. Geladen wird mit dem Micro-USB-Anschlusses. Dieser findet sonst nur noch für das Firmenware-Update Gebrauch.

Ein Lagesensor passt den Klang optimal auf die horizontale oder vertikale Ausrichtung des Lautsprechers an.

Bluetooth und AUX

KEF verbaut in dem Wunderkasten einen Bluetooth-4.0-Chip, welcher mit aptX-Codec ausgestattet ist, so dass die Wiedergabequalität nicht unter CD-Niveau fällt – vorausgesetzt die Quelle nutzt diesen Standard auch. Hier haben leider die iOS-Geräte das Nachsehen, weil diese mit diesem Codec noch nicht klar kommen. Ebenso können zwei MUO-Lautsprecher gleichzeitig betrieben werden, um sie als Stereo-Paar zu verwenden. Mit der Appsteuerung ist es möglich einen Lautsprecher dem linken Kanal zuzuordnen und dem anderen den rechten Kanal. Dazu gibt es noch den „Party-Modus“. Dieser verwendet beide MUOs als gleichwertige Klangerzeuger, wo linker und rechter Kanal auf beiden MUOs wiedergegeben werden können, so dass man im Raum die freie Platzwahl habt. Es können auch bis zu acht Musik-Quellen per Bluetooth angeschlossen werden.

Kef-Muo-II

An der Seite befindet sich der Ein-/Ausschalter sowie die Lautstärkereglung. Prinzipiell kann alles mit der BT-Quelle gesteuert werden

Punktschallquelle Uni-Q

Die legendäre Punktschallquelle Uni-Q findet auch im neuen Bluetooth-Lautsprecher Verwendung. Diese KEF-Innovation basiert darauf, dass der Hoch- und Mitteltöner nicht übereinander angeordnet sind, sondern an der gleichen Stelle. So wird der gesamte Schall von ein und demselben Punkt abgestrahlt. Somit kann es nicht zu Auslöschungen der Schallwellen kommen, wie es bei der Verwendung von zwei oder mehreren Chassis möglich ist. Diese sind so montiert, dass sich das akustische Zentrum an der gleichen Stelle befindet. Das gelang den Engländern nur durch die Verwendung eines Ferromagneten, dessen Magnetstärke das Zehnfache eines normalen Magneten übersteigt. Es wurden zwei 50-mm-Uni-Q-Chassis verbaut, die mit einem Auxiliary Bass Radiator zusammenarbeiten.

Wunderkasten?

Um es vorwegzunehmen: Ja, es ist ein Wunderding, was in dieser Größe mit solch einem gesättigten Klangbild daherkommt. Nach dem die ersten Klänge der untypisch tanzbaren und groovenden Ballade „Cannonball“ von Supertramp erklangen, wippten unsere Füße automatisch im Takt mit. Die Bässe werden sehr präsize und kraftvoll wiedergeben. Die „supertramptypischen“ Einwürfe der Bläser kommen überzeugend aus dem Bluetooth-Lautsprecher heraus. Die Stimme des Frontmannes und Mitbegründer Rick Davies brillierte mit einer einzigartigen und akkuraten Tongebung des Klanggebers. Hier kommt kein mulmiger Klang aus irgendwelchen halbgaren Bluetooth-Lautsprechern heraus.

Mit Beethovens „Schicksalssinfonie“ Nr. 5 wollen wir die Dynamik des MUOs an die Grenzen bringen. Es ist nicht möglich. Sogar bei fast voller Lautstärke bleibt die Wiedergabe deutlich und wird nicht verzerrt. Die Hörner erklingen, als hätten sie auf so einen Schallgeber gewartet. Bei den Streichern hört man auch die Obertöne, dies beeindruckt natürlich und man ahnt, welche Energie und Liebe KEF in die Entwicklung des Bluetooth-Speakers gesteckt hat. Auch als wir uns im Raum bewegten, kam es im Abstrahlverhalten zu keinerlei Verlusten der Wiedergabequalität. Das Klangbild verteilte sich überall gleichmäßig. Natürlich wird dieser Schallgeber nicht im Hörraum mit einem Standlautsprecher, der schon rein physikalisch um einiges größer ist, mithalten können. Aber für kleinere Räume, ob in der Küche oder auf dem Schreibtisch, ist der MUO alle Mal zu empfehlen und überzeugt mit einem klaren und ausgewogenem Klang. Durch die satte Basswiedergabe brachte er sogar eine Steinplattenunterlage zum leichten Vibrieren und zauberte uns ein Schmunzeln ins Gesicht, da so viel Raum für Tiefe doch sehr ungewöhnlich in dieser Klasse ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es nur mit einen kleinen Klanggeber zu tun haben, der seine Arbeit mit Bravour erledigt. Die akkurate Tonwiedergabe überzeugt.

Fazit

Der KEF MUO ist herzlich willkommen in der Kategorie aktiver Bluetooth-Lautsprecher und braucht sich vor einem Bose Soundlink nicht zu verstecken. Das ansprechende Design und die hervorragende Verarbeitung sind die i-Tüpfelchen auf dem Speaker. Die Soundwiedergabe war bisher das Beste, was wir in dieser Größe an Lautsprechern im Hörraum hatten. Der Preis ist angemessen. Wir sagen: Kaufen!

 

KEF MUO: Soundmaschine par excellence
Wiedergabequalität 93%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit92%
Preis/Leistung90%
91%Gesamtwertung
Leserwertung: (4 Votes)
44%

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