Kent – eine kleine Grafschaft im Südosten von England und zugleich auch die Heimat der Lautsprecher von KEF. Schon immer hat uns die Lautsprechermanufaktur mit innovativen Produkten begeistert. Seien es die „flachen“ Surroundspieler der T-Serie oder die neuen Reference-3-Lautsprecher, die für uns eine perfekte Synthese aus Klang und Design darstellen.

Schon seit den 1970er Jahren existiert die Reference-Serie des britischen Lautsprecherherstellers KEF. Dieser war schon früh federführend in der computergestützten Planung seiner Chassis und Dimensionierung der Frequenzweichen, sowie eine der ersten Firmen überhaupt, die synthetische Materialien für die Konstruktion ihrer Membranen verwendeten. Somit konnte sich der Hersteller ein unheimlich großes Know-How im Bezug auf Technologien aneignen, welche erst später zu ihrer wahren Blüte finden sollten. Während die frühen Modelle mit ihren getrennten Gehäusen für die einzelnen Treiber noch aussahen wie kleine Geschwister von R2-D2, hat sich inzwischen am Design vieles getan: Es ist schlichter geworden und konzentriert sich fast im Bauhaus-Stil auf das Wesentliche. Der Klang steht für die schicken KEFs im Vordergrund, jedoch sind die Schallwandler eine echte Augenweide. Fertig aufgebaut zieren zwei Quader von beachtlichen 1,15 Metern Höhe, 20,5 Zentimetern Breite und fast einem halben Meter Tiefe unseren Hörraum – aber wirken dennoch keinesfalls klobig. Die Umgebung spiegelt sich im tadellos aufgetragenen, tiefschwarzen Klavierlack, und die abgesetzte Front mit gebürsteter Aluminium-Oberfläche rundet die edle Erscheinung ab, ohne den geringsten Anflug snobistischer Dekadenz. Blickt man von vorn auf den Lautsprecher, wird man nicht eine einzige Schraube entdecken. Die Treiber sind in die massive Frontplatte, eine Schallwand aus Verbundaluminium und Harzkomposit, eingelassen. Auf diese Weise können Brechungen an den Gehäusekanten stark reduziert werden und verhelfen den Schallwellen zu einem höheren Abstrahlwinkel. Die Chassis des Reference 3 sind dabei in typischer D‘Appolito-Manier angeordnet, das heisst, die beiden Tieftöner umgeben den Hoch-Mitteltontreiber und können so eine besonders gleichmäßige Schallabstrahlung ermöglichen. Letzterer ist die seitens KEF patentierte Uni-Q-Punktschallquelle. Diese kombiniert einen 25-Millimeter-Hochtöner mit dem charakteristisch-sternförmigen Waveguide und einen 125-Millimeter-Mitteltöner in einem Chassis, und sorgt so für eine ausgewogene Klangverteilung im Raum. So weicht sich das Prinzip des Sweet-Spot weitgehend auf und der Zuhörer kann seine Hörposition relativ frei wählen, ohne auf ein naturgetreues Stereobild verzichten zu müssen – ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Schallwandlern seiner Klasse, die im Hörbereich teils sehr eingeschränkt sind. Die Basslautsprecher bringen mit ihren 165 Millimetern Durchmesser auch die niederfrequenten Anteile der Musik zum Schwingen und können dank leichter, aber dennoch steifer Membran impulsstark und kraftvoll agieren.

An der Hinterseite des Gehäuses fällt zunächst das Anschlussfeld ins Auge. Dieses ist auf Bi-Wiring beziehungsweise Bi-Amping ausgelegt. Anstatt typischer vergoldeter oder verkapselter Buchsen kommen diese in der Form von Flügelmuttern in Edelstahl-Optik daher. Die beiden Anschlüsse sind intern verbrückt, lassen sich jedoch durch eingesetzte Schrauben voneinander trennen. Die Bassreflexports sind aufschraubbar und lassen sich mit Filtern in unterschiedlicher Länge bestücken, um so das Basslevel dem persönlichen Geschmack anpassen zu können, ohne am Verstärker per Equalizer eingreifen zu müssen. Entsprechende Schaumstoffröhren werden in drei Längen mitgeliefert und bieten so einiges an Flexibilität. Außerdem finden sich an der Rückwand acht Gummipfropfen. Mit diesen werden die Schrauben verdeckt, die sich durch das komplette Gehäuse ziehen, um die Frontplatte zu halten. Getragen werden die 51,3 Kilogramm schweren Boxen von einer soliden mattschwarzen Stahltraverse, welche für ausreichende Stabilität sorgt und gleichzeitig schallabsorbierend wirkt. Für jeden der vier Eckpunkte pro Lautsprecher werden im Accessory-Pack entsprechende Spikes, Unterlegscheiben und Kontermuttern mitgeliefert, mittels derer sich eventuelles Gefälle in der Horizontalen oder eine Unebenheit des Bodens leicht ausgleichen lässt. Um das Ganze nicht dem Augenmaß zu überlassen oder sich mit einer Wasserwaage gleich den Lack zu zerkratzen, ist in der Traverse gleich eine Dosenlibelle verbaut. In Kent ist man ganz offensichtlich detailverliebt. Dass sich hier alles tadellos zusammenfügt, Gewinde und Schrauben fast reibungsfrei drehbar sind und die Gesamtkonstruktion keinerlei Schwachstellen aufweist, muss man hier wohl nicht noch einmal gesondert erwähnen. Jedoch sollte dieser Umstand auch niemandem, der die Marke noch nicht kennt, vorenthalten werden – daher noch einmal ein ausdrückliches Lob an die Briten für eine derart präzise Verarbeitung.

Bei einem solch starken Eindruck, wie ihn die Lautsprecher schon im Vorfeld hinterlassen haben, waren die Erwartungen an den Klang natürlich sehr hoch – und, um der ausführlichen Besprechung vorweg zu greifen, möchten wir sagen: Diese wurden sogar noch übertroffen. Die Reference 3 spielen mit unglaublicher Dynamik und Lebensfreude auf. Wir erlebten eine ausgezeichnete Impulstreue in den Bässen, welche trocken und auf den Punkt genau kommen. Jeder Ton ist nachvollziehbar und gewährt Einsicht in das Fundament eines jeden Musikstücks. Hier wird nichts aufgeweicht oder verwaschen. Der fließende Übergang über den kraftvollen Grundtonbereich in die Mitten lässt eine gewisse Wärme durchscheinen, welche jedoch nicht zum Wesenszug wird, sondern lediglich würzende Note ist. Ansonsten besticht der Mittelton durch Offenheit und wird so gut durchhörbar, auch bei größeren Besetzungen und Ensembles. Präsente Anteile im Frequenzspektrum kommen sehr gut zum Tragen und lassen Stimmen perfekt im Raum stehen, und auch in den Höhenbereich hinein zeichnet sich die Wiedergabe durch klare und saubere Struktur. Auf Hochglanz wird hier jedoch nichts poliert. So bleiben den Ohren auch zischende Laute und Becken erspart, und sie profitieren von dem leicht in die Tiefen verschobenen Kräfteverhältnis. Dieses Verhalten wirkt sich jedoch keinesfalls negativ auf die Darstellung der Bühne aus – im Gegenteil: Solch eine saubere Lokalisation haben wir bisher selten erlebt. Beim Anspielen unserer Referenz-Stücke mussten wir uns zunächst überzeugen, dass der Center in unserem Hi-Fi-Rack nicht mitspielt, so sauber wurden Stimmen, Snares und Bässe aus der Mitte platziert. Dennoch fanden Gitarren ihren Platz leicht links, das Klavier leicht rechts und die im Hintergrund spielende Orchestrierung verteilte sich auf einer perfekt dimensionierten Bühne – gestaffelt von weit außen zur Mitte hin und genauso klar in die Tiefe. Die seitens KEF versprochene Loslösung vom Sweet-Spot funktionierte ebenfalls ausgesprochen gut, sodass man die Abspieleigenschaften der Reference-Lautsprecher wohl nicht besser adeln kann, als dass man ihnen ihren wohlverdienten Ritterschlag durch das wohlverdiente Testsiegel „Referenzklasse“ erteilt. Wir gratulieren KEF und geben für die Reference 3 eine klare Kaufempfehlung!

Ein Ritterschlag für Kent
Klang und Dynamik90%
Ausstattung und Verarbeitung100%
Installation und Bedienung100%
Preis / Leistung94%
96%Gesamtwertung
Leserwertung: (32 Votes)
44%

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