„Mit seinem speziellen Design {...} versprüht der ND5 XS von Naim einen „britisch-exzentrischen Charme, {...} “, meint Thomas Kunzler vom Deutschland-Vertrieb Music Line. Wir schauen, ob auch die Bedienbarkeit und der Klang charmant daherkommen.

Unser Testkandidat, der Streamingplayer ND5 XS von Naim, ist zwar schon seit 2011 auf dem Markt, wurde aber durch regelmäßige Neuerungen bis heute technisch auf der Höhe der Zeit gehalten. So rüstete man ihn um Spotify Connect, TIDAL und eine Multiroom-Funktionalität auf. Wie der Netzwerkplayer NDX und die Streaming-Vorstufe NAC-N 172 XS ist auch der ND5 XS neuerdings mit Bluetooth ausgestattet, dabei sorgt der aptX-Codec für eine Klangqualität auf CD-Niveau. Unser Netzwerkplayer gilt als abgespeckte Variante des NDX, mit dem er tatsächlich viele Gemeinsamkeiten hat. Ein großer Unterschied zwischen beiden Geräten findet sich im Preis: Während der ND5 XS für 3278 Euro zu haben ist, schlägt der NDX mit sage und schreibe 5198 Euro zu Buche.

Der 7 Zentimeter (cm) hohe, 43,2 cm breite und 30,1 cm tiefe ND5 XS ist schon äußerlich unverkennbar ein echter Naim. Das klassisch schlichte Konzept des Gehäuses wird vom leuchtenden Froschgrün des Displays und der Bedientasten aufgebrochen. Thomas Kunzler vom Deutschland-Vertrieb Music Line spricht dem ND5 XS einen „britisch-exzentrischen Charme“ zu, der aber auf soliden technischen Grundlagen basiere. Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Verarbeitung ist grundsolide und macht einen hochwertigen Eindruck. Das Innenleben des ND5 XS wirkt zudem äußerst strukturiert und aufgeräumt, alles sitzt bombenfest, sodass man auch in einigen Jahren noch Freude daran haben wird. Auffällig ist der für einen Streamer dieser Größe üppige Ringkerntransformator. Auch sonst scheint Naim nicht an den Bauteilen gespart zu haben und installierte etwa hochwertige Wandler-Chips der Firma Burr-Brown, wenngleich man nach eigener Aussage im Vergleich zum großen Bruder NDX einige Punkte vereinfacht hat. Als Streamingplayer hat der ND5 XS keine eigene Festplatte, kann also selbst keine Daten speichern. Es handelt sich um ein reines Abspielgerät, das auf verschiedene Quellen zugreifen kann. Die Klasse eines solchen Produktes macht sich demzufolge grundlegend an den möglichen Zuspielern sowie der einfachen und übersichtlichen Bedienbarkeit fest. Auch sollte es stabil laufen und die Musik von jedweder Quelle ohne Unterbrechungen wiedergeben, aber dies kann man bei einer Firma wie Naim getrost voraussetzen.

Der Ringkerntransformator verfügt über eine imposante Größe für einen Streamer

Der Ringkerntransformator verfügt über eine imposante Größe für einen Streamer

Das rückseitige Anschlussfeld des ND5 XS kann sich sehen lassen: Mit BNC, Cinch und TosLink stehen drei Digitaleingänge zur Verfügung, die S/PDIF-Signale digitaler Zuspieler mit einer Auflösung von bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz verarbeiten können. Ein digitaler BNC-Ausgang schleift Daten zum nächsten Gerät durch. Über Cinch-Ausgänge und einen Stereo-5-Pol-DIN-Anschluss können gewandelte Signale aus dem Gerät an einen Endverstärker geschickt werden. Ins (Heim-)Netzwerk gelangt man über den Ethernet-Anschluss oder die WLAN-Antenne, eine Bluetooth-Schnittstelle ermöglicht die schnelle Verbindung mit einem mobilen Gerät. Zum Aufspielen von Firmware-Updates dient eine Mini-USB-Buchse. Interessant sind die Fernbedienungsein- und Ausgänge im 3,5-Millimeter-Miniklinke-Format. Mit deren Hilfe kann der ND5 XS mit anderen Naim-Geräten verbunden und wie eine große Anlage über eine einzige Fernbedienung gesteuert werden. Auf der Vorderseite des Streamers findet sich der USB-Port zum schnellen Anschließen eines USB-Sticks, iPods, iPads oder iPhones. Optional ist ein UKW/DAB/DAB+-Modul für 500 Euro Aufpreis erhältlich, das wir allerdings nicht testen konnten. Laut Hersteller sollen sich dessen Funktionen nahtlos in die Bedienoberfläche des ND5 XS einfügen. In der Standardausführung spielt der ND5 XS USB-Sticks, Webradio, Spotify, Tidal und im Heimnetzwerk gespeicherte Daten ab (über UPnP). Dabei kommt er auch mit Hi-Res-Formaten wie WAV, AIFF und FLAC bis zu 24 Bit/192 kHz zurecht, ALAC-Dateien kann er immerhin mit einer Auflösung von bis zu 24 Bit/96 kHz wiedergeben. Außerdem funktioniert er als Wandler, wenn man andere digitale Abspielgeräte über einen der drei Digitaleingänge anschließt. Der ND5 XS las übrigens problemlos alle von uns probierten Sticks aus, der Sound lief in allen Modi lückenlos durch. Das haben wir bei vielen Streamern schon anders erlebt.

Trotz der übersichtlichen Rückseite hat der Naim Einiges an Ein- und Ausgängen zu bieten. Dazu gehören WLAN- und Bluetooth-Schnittstelle, Ethernet-Anschluss, drei Digital-Ins (BNC, Cinch und TosLink), ein Digital-Out, Analoge Cinch-Ausgänge und der Naim-tyipsche 5-Pol-Din-Ausgang. Der große Brückenstecker rechts neben den Digitaleingängen wird benötigt, wenn man kein optionales Naim-Netzteil besitzt

Trotz der übersichtlichen Rückseite hat der Naim Einiges an Ein- und Ausgängen zu bieten. Dazu gehören WLAN- und Bluetooth-Schnittstelle, Ethernet-Anschluss, drei Digital-Ins (BNC, Cinch und TosLink), ein Digital-Out, Analoge Cinch-Ausgänge und der Naim-tyipsche 5-Pol-Din-Ausgang. Der große Brückenstecker rechts neben den Digitaleingängen wird benötigt, wenn man kein optionales Naim-Netzteil besitzt

Um das Gerät hochfahren zu können, muss der mitgelieferte Brückenstecker auf den rückseitig integrierten mehrpoligen Anschluss aufgesteckt werden, sonst tut sich nichts. Optional kann ein hochwertiges Netzteil des Typs XP5 XS, XPS bzw. 555 PS an diese Buchse angeschlossen werden, das unseren Streamer laut Naim klanglich noch aufwertet. Im Praxistest überzeugte uns der ND5 XS direkt mit der auf dem schwarzen Grund des Displays sehr gut lesbaren Naim-grünen Schrift. Allerdings wird das Menu mit mehreren Unterpunkten ab zwei Metern Entfernung zu kleinteilig. Hier schafft die Naim-App für Apple und Android Abhilfe, mit der sich der ND5 XS wie auch viele weitere Naim-Geräte steuern lassen. Auch ohne Gebrauchsanweisung kommt man nach wenigen Minuten gut mit der Bedienung des ND5 XS zurecht. Die Menüführung ist übersichtlich und intuitiv. Ohne Probleme verbanden wir uns mit dem WLAN, navigierten uns in verschiedene Netzwerkspeicher, durch tausende von Internetradiosendern und auf den USB-Stick. Uns wunderte die Benennung einiger Quellauswahltasten auf der Fernbedienung: Bei einem Druck auf die Taste „tv“ erscheint im Display „Digital 1“, die Taste „av“ lässt „digital 2“ auf dem Display erscheinen und „hdd“ steht für „digital 3“. Bluetooth wird durch den Druck der Taste „pc“ aktiviert, wenn man doppelt auf die Taste „ipod“ drückt, gelangt man zu Spotify. Um Verwirrungen zu vermeiden, hätte man die Benennung vereinheitlichen können. Uns hat die Bedienung per Naim-App besser gefallen. Aus naheliegenden Gründen kann man eine App ansehnlicher und übersichtlicher gestalten als eine Fernbedienung.

Die Stärke des ND5 XS liegt in der klanglichen Performance. Obwohl die Schwäche digitaler Audioverarbeitung zumeist in den Tiefen liegt, verfügt der Streamer über einen warmen und runden Klang, der dennoch kaum eingefärbt erscheint. Der Frequenzgang von 10 Hertz (Hz) bis 20 Kilohertz (kHz) mag manch einem Audiophilen zu knapp bemessen sein, da er sich von Frequenzen über 20 Kilohertz mehr Räumlichkeit bzw. einen analogeren Klangcharakter verspricht. Wir erinnern jedoch daran, dass erwachsene Menschen sowieso nur im Ausnahmefall bis 20 kHz hören können und ein unbewusst aufgenommener Mehrwert hochfrequenter Signale nicht bewiesen ist. Dem ND5 XS fehlt bei der Wiedergabe von Hi-Res-Formaten unserer Meinung nach zumindest nichts. Er bildet die Räume natürlich und weit, manchmal vielleicht sogar ein wenig zu weit, ab.

Der warme Sound kommt nicht etwa durch aufgeblasene Bässe zustande. Im Gegenteil: der Bassbereich ist linear, sauber und aufgeräumt – natürlich eben. Aus diesem Grund gefällt uns der ND5 XS am besten mit rein akustischer Musik. Die tiefen Instrumente einer Bigband etwa lassen sich sowohl räumlich als auch frequenziell spielend leicht auseinanderhalten. Unser Tipp: Genießen Sie das Grammy-prämierte Album „The Dirty Boogie“ vom Brian Setzer Orchestra über den Naim. Mit den geradlinigen Mitten macht Klassik besonders viel Spaß, feine Bogengeräusche der Streicher, saubere Anblasgeräusche der Blechfraktion schmeicheln unseren Ohren. Die Höhen zeichnet der ND5 XS äußerst fein aber zurückhaltend, was seinem warmen Sound zuträglich ist. Wer seine Lieblingsmusik durch eine färbende Kette unterstützen will – etwa wenn der dröhnende Charakter von Reggae durch einen gewissen Bassboost unterstrichen werden soll – sollte sich besser nach anderen Geräten umsehen. Wer aber Natürlichkeit bevorzugt und Musik fast so zu hören bekommen möchte, wie es der Komponist bzw. Produzent sich vorgestellt hat, der kann mit dem ND5 XS nichts falsch machen. Die Darstellung von Dynamik ist in der Hi-Fi-Kette zwar essenziell von der Qualität des Endverstärkers und der Lautsprecher abhängig, doch werden die Grundlagen beim Wandler gelegt. Auch in diesem Zusammenhang spielt der Naim groß auf, was uns u. a. bei der Ouvertüre zu Wagners Fliegendem Holländer in der 1993 Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan auffiel.

Fazit

Dass der Naim ND5 XS ein zeitloses Modell ist, hat er die fünf Jahre seines Bestehens bewiesen. Sicher werden ihn auch in Zukunft Firmware-Updates auf den neusten Stand der Technik befördern. Die Möglichkeit zur Aufrüstung um ein Radiomodul und ein hochwertiges Netzteil lassen uns eine klare Kaufempfehlung aussprechen.

Britischer Charmeur
Wiedergabequalität85%
Ausstattung und Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit95%
Preis/Leistung82%
89%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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Über den Autor

Tobias Hecklau

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