Udo Jürgens sang einmal „Tausend Jahre sind ein Tag“. Anlässlich des dreißigsten Jubiläums ihres ersten Verkaufsschlagers versucht sich das britische Audiolab daran, des großen deutschen Chansonniers Worten Taten folgen zu lassen. Ob ihnen dies gelungen ist, zeigt unser ausführlicher Test. Von André Beyer

Drehen wir zuallererst mal die Zeit zurück ins Jahr 1983. Vor über dreißig Jahren dachten sich die beiden britischen Soundtüftler Philip Swift und Derek Scotland: Wir haben genug von schwer zu bedienenden teuren Anlagen. Also warum machen wir es nicht einfach besser?“

Die beiden Studienkollegen gründeten Audiolab, eine Firma, die sich vom Fleck weg zu einer richtigen Erfolgsgeschichte entwickeln sollte. Denn gleich mit ihrem ersten Modell, dem Verstärker 8000A, verschafften sie sich einen exzellenten Ruf in der Branche. Der 8000A wurde zu einer Art Prototyp für moderne Verstärker. Zugegeben, das war alles in den Achtzigerjahren. Wenn man in Technologieepochen denkt, ist das quasi die Steinzeit. In der Zwischenzeit gab es neue Besitzer und natürlich auch andere Nachfolger, wie zuletzt der 8200A vor knapp fünf Jahren. Mittlerweile ist der britische Dino unter dem Dach der International Audio Group untergekommen, wie zum Beispiel auch die andere alteingesessene britische Firma Quad. Audiolab wäre aber nicht Audiolab, wenn sie zum Jubiläum ihres gefeierten Erstlings nicht den Versuch anstellen würden, die Geschichte zu wiederholen. Nichts anderes haben sie mit dem 8300A vor. Der 8300CD führt ebenfalls eine Ägide fort, eine nicht ganz so lange, aber dennoch. Auch er geht auf ein Produkt der gefeierten 8000er-Serie zurück. Der vor fünf Jahren erschienene 8200CD heimste dann seiner Zeit ebenfalls viel Lob und einige Auszeichnungen ein. Mit dem 8300er-Bundle aus Verstärker und CD-Player präsentieren sie der Käuferschaft ein Duo, dass den gewachsenen Ansprüchen der Kundschaft und an sich selbst gerecht werden will und muss.

Schlanke Linien sind seit je her Teil des Designs von Audiolab-Produkten

Schlanke Linien sind seit je her Teil des Designs von Audiolab-Produkten

Allzweckwaffe: 8300CD

Der CD-Player nimmt einem den Tonträger beim Einlegen direkt aus der Hand. Das verstärkt den positiven ersten Eindruck. Der automatische Einzug passt sich nämlich wunderbar in die auffallend schlanke Optik (beider Geräte) ein. Ein herausfahrendes Laufwerkfach würde da nur unnötig negativ auffallen, außerdem ist es irgendwie bequemer. Der 8300CD trägt seinen Namen eingraviert in die jeweils unteren Ecken der Front stolz wie ein Seemann seine Tätowierungen. Auch das passt gut zum optischen Gesamteindruck. Die Hersteller haben lauter Reminiszenzen an den Vorgänger ins Design einfließen lassen und in mancherlei Hinsicht noch eine Schippe, wie zum Beispiel beim automatischen Einzug, oben drauf gelegt. Aber wir sprechen hierbei ja erst einmal von Optik und Haptik. Das abgerundete Display vermittelt einen eleganten Eindruck, dadurch sehen beide Geräte modern aus und sind zusätzlich solide verarbeitet.

Upgrade zum Vorgänger

Sicherlich will Audiolab damit den Nostalgiker im Kunden ansprechen. Aber dafür muss natürlich auch die Performance stimmen, sonst war all der Aufwand beim äußerlichen Detail verlorene Liebesmüh. Erst einmal muss man festhalten, dass der 8300CD, wie sein Vorgänger aus der 8200er-Serie, eigentlich eher ein D/A-Wandler mit Laufwerk ist. Beim Verbinden mit einem PC gibt er sich auch direkt als Wandler zu erkennen. Der USB-Anschluss wurde übrigens überarbeitet und kann nun auch das DSD-Format lesen. Die weiteren Anschlussvariationen sind beinahe die gleichen geblieben. Lediglich ein AES/EBU-Eingang ist hinzugekommen. Cinch- und XLR-, sowie jeweils ein optischer und koaxialer Digital-Ausgang sind weiterhin mit an Bord. Auf Seiten der Eingänge sind letztere sogar doppelt vorhanden. Der integrierte digitale Vorverstärker stellt ein Upgrade dar und macht den aus einem als CD-Player titulierten Modell eine richtige Allzweckwaffe.

Nichts zu wünschen übrig lässt hingegen der D/A-Wandler 8300CD bei den Anschlüssen

Nichts zu wünschen übrig lässt hingegen der D/A-Wandler 8300CD bei den Anschlüssen

Höchstleistungen

Egal ob man nun über externe digitale Quellen oder Musik aus dem Laufwerk hört, der 8300CD zeigt bei beiden Varianten eine absolut ansprechende Performance. Das Laufwerk macht auch vor älteren CDs mit der einen oder anderen Gebrauchsspur nicht halt, sondern verarbeitet selbst diese ohne mit der Wimper zu zucken. Das Allroundtalent hebt kleinste Details im Klangspektrum hervor, ist aber auch in der Lage weite Spektren abzudecken und sehr komplexe Strukturen aufzudröseln und in einem großen Ganzen wieder zu organisieren. Wenn man Stücke wie das eingangs erwähnte Stück von Udo Jürgens „Tausend Jahre sind ein Tag“ auflegt, hört man die einzelnen Instrumente der Big Band gut voneinander abgegrenzt, aber in den Passagen, wo es drauf ankommt, auch sehr kraftvoll und gebündelt im Zusammenspiel. Gerade bei den Tiefen kommt der Vorverstärker richtig zum Zug. Bei den Vocal-Passagen des Stücks fällt auf, dass auch bei den Mitten und Höhen versucht wird mit der Tiefenperformance mitzuhalten, was aber nicht ganz gelingt. Der 8300CD funktioniert zwar auch mit fremdartigen Verstärkern, am besten versteht er sich aber hörbar mit seinem Bruder im Geiste.

Seelenverwandte

Von dessen Seite kommt im angesprochenen Tiefenbereich nochmal einiges an Unterstützung, so dass auf einmal ganz neue Facetten der Basssektion, oder auch von Teilen der Bläser wahrzunehmen sind. Der Sound ist aber bei aller Komplexität stets clean. Auch in den höheren Lagen, spielt der Verstärkter gut mit. Klarheit und Textur gehen auch hier nicht verloren, aber der Versuch auf ein höchstmögliches Level Direktheit und Authentizität zu kommen gelingt nicht ganz. Jürgens‘ Stimme wirkt zwar sehr scharf und fokussiert, wenn er mitunter mit viel Verve fast schon mehr ausruft, als singt, aber der Funken möchte nicht so ganz überspringen. Gerade bei den Wechseln zwischen sehr dynamischen Teilen und ruhigeren Momenten fällt dies auf. Und wir haben natürlich nicht nur dieses eine Lied des Grandseigneur des deutschen Schlagers getestet. Auch bei dem Lied „I Get Along Without Very Well (Except Sometimes)“ von Nina Simone, deren Musik generell sehr stimmenlastig ist, tritt ein ähnlicher Verlusteffekt auf. Auch bei moderneren Musikrichtungen mit häufigen Tempi-Wechseln, wie Drum & Bass oder Indie-Rock hat man das Gefühl, dass der Verstärker irgendwie Mühe hat Schritt zu halten.

Alte Liebe rostet nicht

Aber der 8300A ist trotzdem ein sehr feines Stück HiFi-Equipment. Er weckt sicherlich noch mehr Erinnerungen als der 8300CD. Schließlich war es sein Urahn, der den verantwortlich war für den hervorragenden Ruf der High-End-Schmiede. Aber dadurch wird in seinem Fall sicherlich auch noch mehr verglichen und dabei der eine oder andere Aspekt mehr auf die Goldwaage gelegt. Was ein bisschen unfair ist. Denn schaut man genauer hin, merkt man, dass der 8300A nicht auf dem Vorgängermodell aufbaut, sondern eine reine Neuentwicklung ist. Das fällt eigentlich beim ersten Blick direkt schon auf. Zum ersten Mal hat Audiolab seinem Zugpferd ein richtiges Display spendiert, passend zum CD-Player mit den gleichen Maßen. Damit ist erst einmal Schluss mit der funktionalen Nüchternheit. Wobei trotzdem eine Schlichtheit gewahrt bleibt.

Cinch-Anschlüsse en masse – die Anschlussebene des 8300A. Ein Phono-Eingang ist vorhanden, sowie zwei PreOut stehen bereit

Cinch-Anschlüsse en masse – die Anschlussebene des 8300A. Ein Phono-Eingang ist vorhanden, sowie zwei PreOut stehen bereit

Schlanke Linie

Denn auch die Verstärkereinheit übertreibt nicht mit überbordenden Abmessungen. Ein Drehregler wurde eingespart. Geblieben sind deren drei für Lautstärke, verschiedene Modi und Komponentenauswahl. Auch die ausführliche Beschriftung der Regler ist dank dem Display passé. Komplettiert wird die Frontansicht nur noch durch den An- und Ausschalter. Interessant wird es aber erst so richtig, wenn man sich das Innenleben zu Gemüte führt. Die eingebaute Endstufe wurde möglichst weit entfernt vom Transistor positioniert und hat eine Dual-Mono-Struktur, was beides Interferenzeffekte minimieren soll. Die getrennten Dual-Kanäle zeichnen sich verantwortlich für den hervorragenden räumlichen Klang des 8300A. Sie kommt mit zwei mal 75 Watt bei acht Ohm um die Ecke. Was aber eigentlich völlig ausreicht. Es kommt einem sogar nach etwas mehr vor, wenn man den 8300A mal ein bisschen weiter aufdreht. Auf der Anschlussebene gibt es in doppelter Ausführung Lautsprecheraus- und XLR-Eingänge, dazu ausreichend Cinch-Kanäle für alle herkömmlichen Komponenten. Im Zusammenspiel mit der ESS-Sabre-Wandlereinheit aus dem 8300CD ist man dann auch wirklich rundum versorgt.

Fazit

Generell sind die beiden Geräte sehr gut aufeinander abgestimmt. Etwas komplizierter wird es, wenn eines der Modelle allein in ein bestehendes Set integriert wird. Dann bietet der 8300CD mehr Variantenreichtum. Aber auch der 8300A ist ein Neuanfang mit gelungenen Stilbrüchen, wie zum Beispiel der Display-Innovation. Audiolab stellt mit den beiden 8300ern ein schlagkräftiges Duo auf die Beine. Besonders gefällt das stimmige schlanke Design mit den Gravuren und den ganz fein abgesetzten Seitenblenden. Beide schreiben auf jeden Fall die Geschichte der britischen HiFi- Schmiede auf gelungene Art weiter.

Audiolab 8300A und 8300CD: Die Laboranten melden sich zurück
Wiedergabequalität92%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit95%
Preis/Leistung90%
91%Gesamtwertung

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