Der Monitor Nr. 5 von Omnes Audio ist ein Breitbandsystem mit einem attraktiven Preis. Ob er einen genauso lebendigen Eindruck hinterlässt wie sein robotischer Namensvetter in der 1986er Sci-Fi-Komödie „Nr. 5 lebt“, lesen Sie jetzt hier bei uns im Test!

Seit 2003 bietet die Firma Blue Planet Acoustic mit Sitz in Frankfurt am Main Lautsprecherchassis und Bausätze unter der Eigenmarke Omnes Audio an. In der letzten Ausgabe der AUDIO TEST konnten Sie nachlesen, wie sich unser Redaktionsleiter Erik Schober im Selbstversuch am BB5 Monitorbausatz aus gleichem Hause versucht hat.

Nun nehmen wir die schon ab Werk fertig gestellte Version genauer unter die Lupe. Wie die beiden gegeneinander abschneiden, können Sie in unserem Vergleichskasten lesen. Aber Eins nach dem Anderen.

Auf den ersten Blick fällt das minimalistische Design auf. Passend zum Konstruktionsprinzip könnte man sagen – und dadurch problemlos in den meisten Hörumgebungen stilvoll unterzubringen. Wer hier einen auffälligen Gesprächsaufhänger für die nächste Dinnerparty vermutet, sucht besser weiter. Aber unauffällig heißt hier dennoch gut. Das komplett mit mattschwarzem Strukturlack versehene Gehäuse aus MDF ist sauber und ohne Grate verarbeitet. Auch das Anschlussfeld gibt sich auf das Nötigste reduziert und so findet man hier nur die üblichen Bananenstecker. Aber was sonst will man von passiven Lautsprechern auch noch? Die Buchsen packen sicher zu und sind nach unten im Anschlussfeld abgewinkelt, was unnötigen Zug auf die Verbindung vermeidet. Das ist leider unabhängig vom Preissegment nicht immer Standard. Daher großes Lob an dieser Stelle. Insgesamt schlägt jeder der beiden Lautsprecher mit vertrauenerweckenden sieben Kilogramm zu Buche.

Das Highlight stellt natürlich der 13 Zentimeter Breitbandlautsprecher mit seiner konischen Kalotte dar. Das hier verbaute Modell W5-2106 von Tang Band aus Taiwan wurde eigens von Blue Planet Acoustic konzipiert. Der für den Lautsprecher angegebene Frequenzgang von 50 Hertz (Hz) bis 20 Kilohertz (kHz) klingt vielversprechend. Dies ist besonders, weil Breitbandsysteme traditionell eher dafür bekannt sind, an den Enden des Frequenzspektrums zu schwächeln. Wir sind also gespannt.

Das Terminal ist wie üblich an der Rückseite angebracht

Das Terminal ist wie üblich an der Rückseite angebracht

„Brauche Input!“

Technisch gesehen liegt der große Vorteil von Lautsprechern mit nur einem Breitbandtreiber gegenüber Mehrwegesystemen darin, dass diese als echte Punktschallquelle agieren. Dies führt zu besserer Ortung von Elementen im Panorama und generell zu genauerer Abbildung der Räumlichkeit. Und genau das tritt auch beim Durchhören unserer Referenz-CD über den Monitor Nr. 5 im Hörraum zutage. Es fällt unglaublich leicht, Quellen im Stereofeld zu lokalisieren. Allerdings wird auch schnell klar, dass Tiefbass dann doch erwartungsgemäß nicht die Stärke unserer Nr. 5 ist. Dieser Bereich wirkt bei elektronischer Musik schnell unterbelichtet und wird bei impulsstarken, tieffrequenten Signalen wie synthetischen Kickdrums auch nicht verzerrungsfrei reproduziert. Das obere Ende des Frequenzspektrums ist zwar keineswegs unterrepräsentiert, aber es fehlt ihm doch die gewisse Luftigkeit, die ein dezidierter Höchtöner ermöglicht.

Als ersten Song im Test führen wir uns „I Believe In A Thing Called Love“ von der Band The Darkness zu Gemüte. Soundtechnisch ein Paradebeispiel für klassischen Rock, schiebt sich die Wand aus E-Gitarren sofort wundervoll breit und kräftig aus den Lautsprechern. Das Falsetto von Frontmann Justin Hawkins erklingt klar darüber. So soll das sein. Eher mittenbetonte Musik macht also schon mal Spaß. Hier manifestiert sich ein weiterer konstruktionsbedingter Vorteil: Bei Regallautsprechern, die als Mehrwegesystem arbeiten, werden die beiden Treiber, gewöhnlich ein Tiefmittel- und ein Hochtöner, über Filter frequenziell getrennt. Diese Filter aber, sofern sie analog und nicht digital realisiert sind, haben immer Auswirkungen auf den Phasenfrequenzgang. Dadurch und durch Überschneidungen im Wiedergabebereich kann es leicht um die Übergangsfrequenz der beiden Treiber, welche meistens zwischen 2 kHz und 5 kHz liegt, zu Ungenauigkeiten kommen. Solche Probleme vermeidet der Monitor Nr. 5 durch sein Breitbandkonzept vollkommen und das hört man auch. Als nächstes wird „Mambo Craze“ von der Heidelberger Gruppe De Phazz aufgelegt. Ein dichtes, mit verschiedensten Percussion-Elementen versehenes Arrangement, das sich eher schwer in ein Genre pressen lässt. Auch hier können die Monitore ihre Stärken ausspielen. Alle Elemente des Stücks wirken sauber separiert und besonders die Tiefenstaffelung weiß zu gefallen. Die Instrumente liegen nicht auf einer Ebene zwischen dem Lautsprecherpaar, sondern sind wirklich weiter vorne oder hinten zu vernehmen. So wird auch die Intimität der Gesangsdarbietung gut transportiert und man fühlt sich der Musik sehr nahe. Die Transienten der perkussiven Elemente werden für die Preisklasse absolut angemessen übertragen. Wer viel mittenbetonte Musik hört, ist bei dem Lautsprecher von Omnes Audio genau richtig und für den Preis ist der Monitor Nr. 5 fast unschlagbar.

Das Bassreflexrohr besitzt keine Kanten, an denen sich der Schall brechen kann und ist nach vorn gerichtet. Dadurch reduzieren sich die Bassreflexionen an der Rückwand des Hörraums

Das Bassreflexrohr besitzt keine Kanten, an denen sich der Schall brechen kann und ist nach vorn gerichtet. Dadurch reduzieren sich die Bassreflexionen an der Rückwand des Hörraums

Vergleich

In der Ausgabe der AUDIO TEST 04/2016 hatten wir ein fast baugleiches Modell zum Selberzusammenbauen im Hörraum. Nun endlich zur Beantwortung der Frage: Wie macht sich der Selbstbau denn nun gegenüber dem schon fertig monitierem Modell?

Dazu müssen wir noch sagen, dass das Bassreflexrohr und die Frequenzweiche nicht ganz identisch sind. Die Unterschiede sind jedoch so gering, dass wir einen kleinen Vergleich wagen wollen.

Bezüglich der Räumlichkeit und Separierung, sind beide gleichauf. Allerdings war bei uns im Hörraum beim Bausatz ein schlankerer Bass zu vernehmen. Zuerst haben wir auf ein unterschiedlich abgestimmtes Bassreflexrohr getippt. Aufgeschraubt, nachgemessen, gleicher Durchmesser, gleiche Länge, gleicher verwunderter Gesichtsausdruck beim Tester wie zuvor. Bei der Austrittsöffnung des Rohres ist das zu uns geschickte Modell abgerundet. Bei unserem Selbstzusammenbau hatte es eine kantige Öffnung. Wir denken daher, dass sogenannte Sekundärwellen zu einer Auslöschung bestimmter Frequenzen führen. Der aus den Gehäusen zutage geförderte Dämmstoff ist ebenfalls unterschiedlich. Hier kommen nämlich verschiedene Materialien zum Einsatz und Dämmung ist für das Tuning eines Lautsprechers sehr relevant. Unser Bausatz wirkt im direkten Vergleich deutlich mittiger in der Gesamtabstimmung. Abseits davon sind die Unterschiede beim Bausatz eher kosmetischer Natur, wie das abweichende Finish der Oberflächen. Die kleinen Klangunterschiede drüben nicht das Gesamtbild und wir sind begeistert, was man aus einem Breitbänder herausholen kann.

Prinzipiell meinen wir, dass, wer Lust auf seinen ersten selbstmontierten Lautsprecher hat, kann gerne auf den Omnes Audios Monitor Nr. 5 zurückgreifen oder seinem handwerklichen Geschick freien Lauf lassen. Wir sind sicher, dass er nicht der Letzte bleiben wird, den wir zusammengebaut haben. Wenn man erst einmal angefangen hat, packt einen das Fieber. Denn etwas selbst zu schaffen, liegt in der Natur des Menschen.

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Alle Teile kann man bei Omnes Audio bestellen

Alle Teile kann man bei Omnes Audio bestellen

weitere Infos unter: www.oaudio.de

Omnes Audio Monitor Nr. 5: Viel Klang und Räumlichkeit
Wiedergabequalität81%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis/Leistung84%
81%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
95%

Über den Autor

Erik Schober

Als Musiker und Dirigent verschiedener Orchester und Ensembles weiß ich genau, wie sich live die verschiedenen Instrumente und die menschliche Stimme anhört. Demzufolge habe ich hohe Erwartungen an eine Hifi-Anlage. Diesem schweren Urteil muss sich jeder Lautsprecher und das Zubehör bei mir stellen.

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